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ſich der Herzog Alfons in Begleitung ſeiner Schweſter Cleonore und deren Freundin Eleonore Sanvitale, Gattin des Grafen von Scandiano, nach Belriguardo begeben und den Dichter Taſſo zur Geſellſchaft mitgenommen. An einem Dichterwerke wie das vorliegende, zu deſſen Vollendung nicht weniger die höchſte kuͤnſt— leriſche Beſonnenheit, als die unmittelbare Schöpferkraft eines hochbegabten Genius mitgewirkt hat, darf nichts als bloß zu⸗ fälliges Beiwerk betrachtet werden. Wir wißen ja, wie meiſter⸗ haft Göthe in ſo vielen ſeiner Dichtungen Natur und äußere Verhältniſſe als Folie der dargeſtellten Handlung benutzt hat, auf wie bedeutſame Weiſe er jene in dieſe hineinſpielen läßt. So hat er auch in unſerm Stücke die Perſonen mit gutem Grunde auf den Gipfel des äußeren Glücks geſtellt, einen der erſten Frühlingstage, wo insbeſondere der Jugend das Herz ſich erwei⸗ tert und mit Sehnſucht füllt, als Zeitpunkt der Handlung ge⸗ wählt und dem ganzen Gemälde den reizendſten Naturboden gege⸗ ben. Wir erwarten in dieſer idylliſchen Einſamkeit von Belri⸗ guardo freundliche Bilder des Glückes und des Friedens vor un— ſern Augen vorübergehen zu ſehen und werden wohl thun den erſten Eindruck in friſcher Lebendigkeit vor der Seele zu halten, um auf der einen Seite den ſchönen Zuſammenklang der äußeren Zuſtände mit der Handlung, auf der andern Seite nach ein⸗ getretenem Zerwürfnis die Macht der Contraſte zu fühlen.
fuß: Tarquato Taſſos Leben, Berlin 1840, war aus dem gleichen Grunde für meine Arbeit keine Ausbeute zu gewinnen. So oft ich etwas von meinen Vorgängern wörtlich entlehnt habe, iſt es meines Wißens ſtets angemerkt worden, ſollte es ein oder das anderemal unterlaßen ſein, ſo bitte ich um Entſchuldigung. Die Citate aus Göthe ſind nach der Duodez⸗Ausgabe letzter Hand, Stuttgart und Tübingen 1827, gemacht.


