Aufsatz 
Vermischte pädagogische Aufsätze, von den Lehrern der mittleren Bürgerschule
Entstehung
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liegt die Täuſchung, welcher die Schüler ſo häufig unterworfen ſind, daß ſie nämlich glauben, mit dem ein⸗ oder mehrmaligen Durch⸗ und Ueberleſen eines Gegenſtandes ſei das Geleſene auch ſchon freies Eigenthum des Geiſtes, worüber man be⸗ liebig verfügen könne. Erſt wenn ich eine Perſon öfter ge⸗ ſehen, gehört, geſprochen, zu verſchiedenen Zeiten, in ver⸗ ſchiedenen Verhältniſſen und Handlungen beobachtet habe, erſt dann werde ich ein Bild von ihr haben, das ich nicht mehr vergeſſe und meinem Geiſte jederzeit vorzuhalten im Stande bin.

Es iſt mit dem Auswendiglernen nicht anders; erſt wenn der Schüler ein Gedicht geiſtig durchdrungen hat, wenn er ſich Rechenſchaft über die einzelnen darin vorkommenden Perſonen und Gegenſtände und deren Handlungsweiſen geben kann, ſie auch in Beziehung zu andern geſetzt hat, dann er⸗ hält das Gedächtniß eine weſentliche Unterſtützung, ſeine Ar⸗ beit iſt nur die halbe, und auch der ſchwächere Schüler wird wahrhaft fruchtbringend auswendiglernen.

Dies aber zu vermitteln iſt, wie ſchon oben kurz an⸗ gedeutet wurde, Aufgabe der Schule. Sie ſoll den Schüler durch zweckmäßige Fragen, Erläuterungen und Verweiſung auf vielleicht ſchon früher Dageweſenes und Verwandtes in den Inhalt und Geiſt des Gegenſtandes einführen, ohne ſich jedoch in Weitſchweifigkeiten zu verlieren, die leicht zu Lang⸗ weile und Ueberdruß führen können. Kurz, die Schule ſoll den Schüler für ſeinen Gegenſtand begeiſtern, das Intereſſe an demſelben wecken und beleben, ihm denſelben lieb machen.

Daraus folgt aber, und dies iſt wiederum Aufgabe der Schule, daß eine zeitweilige Wiederholung ein außerordent⸗ liches Förderungsmittel iſt, das dem Gedächtniß Anvertraute dauernd zu behalten. Jedoch nicht ſo, daß das einmal Ge⸗ lernte ganz auf dieſelbe Art und Weiſe wieder gelernt und aufgefriſcht werde, ſondern daß es wo möglich in neuen Ver⸗