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Strenge aus Liebe.
Es gehört nicht zu den Seltenheiten unſeres Schul⸗ lebens, daß Eltern für ihre der Schule anvertrauten Kinder beſondere Rückſichten und Begünſtigungen in Anſpruch neh⸗ men. So empfehlen zuweilen Eltern ihre Kinder mit dem ausdrücklichen Wunſche:„Mit meinem Kinde müſſen Sier ſtreng ſein; mit Nachſicht kommen Sie bei ihm nicht weit.“ Worin liegt hier der Grund des ausgeſprochenen Verlangens? Es können hiefür verſchiedene Urſachen zur Geltung kommen. Im Nachſatze dürfte der Schlüſſel zu einem nicht ſelten vor⸗ kommenden Grunde zu finden ſein, und wir nehmen Ver⸗ anlaſſung, einen kurzen Blick in die erſte Pflanzſtätte der Erziehung eines ſolchen Kindes, ins elterliche Haus, zu wer⸗ fen. Wir finden hier die Leitung und Erziehung vorzugs⸗ weiſe in den Händen der Mutter. Die große Liebe und Hingebung zu ihrem Liebling ſehen wir aber nicht immer gepaart mit der nöthigen Willenskraft, die den Wogen an⸗ ſtürmender Wünſche und Begehrungen des lebhaften und be⸗ weglichen Kindes zu widerſtehen im Stande iſt. Bei jeder Nachgiebigkeit wächſt auch das Verlangen und die Luſt, nach weiteren Verſuchen zu greifen, und falls ſich dieſelben nicht ohne Hinderniſſe erreichen laſſen, ſie mit Ungeſtüm und Trotz durchzuſetzen, und ſo erwächſt daraus allmählich ein Eigen⸗ wille, der es nur zu gut verſteht, die nachſichtigen Eltern von ſich abhängig zu machen. Solche Erfahrungen mögen wohl zur Einſicht führen, daß dieſer betretene Weg der Er⸗ ziehung nicht der rechte ſein kann, und zu der Beſtimmung veranlaſſen, an die Stelle der bisher geübten Nachſicht den Ernſt und die Energie zu ſetzen. Das Kind iſt zum ſchul⸗ pflichtigen Alter herangewachſen und man hegt von der Schule die Erwartung, wie ſie bereits oben in dem Satze ausge⸗


