Aufsatz 
Kritik des Abschnittes "Die modalen Kategorien" in Trendelenburgs logischen Untersuchungen
Entstehung
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11 aus der Unmöglichkeit, die Unmöglichkeit hinwiederum nur aus der Nothwendigkeit. Dieſe ſelbſt aber entzieht ſich vollſtändig unſerm Blick und vergebens bemüht ſich unſer Denken, ſie in beſtimmte Worte zu faſſen. Alle gepflogenen Erörterungen ſind reine Paraphraſen eines an ſich klaren Be⸗ griffes. Eine tiefere Bedeutung werden ſie aber auch nie gewinnen können. Denn die Begriffe, die ſie zu ihrem Vorwurfe haben, ſind einfache Grundbegriffe, deren Bedeutung wir recht wohl ver⸗ ſtehen, die wir aber nur durch ſich ſelbſt erklären können. Das genügt aber nicht zu einer im Sinne der Logik richtigen Definition. Deshalb müſſen wir davon abſtehen. Dasſelbe gilt von dem Begriffe der Wirklichkeit, den daher Trendelenburg auch nicht einmal zu erklären verſucht hat.

Außer den drei modalen Kategorieen behandelt Trendelenburg noch einige Begriffe, welche zu dem Nothwendigen in naher Beziehung ſtehen: Das Allgemeine, welches der Urſprung und der Ausdruck des Nothwendigen iſt, das Identiſche, worin es ſich in der Erſcheinung darſtellt, und das Zufällige, welches ſeinen Gegenſatz bildet. Sehr ſcharfſinnig ſind zunächſt die Erörterungen, die ſich an den Grund des Nothwendigen, can das Allgemeine, knüpfen. Da das Allgemeine mehrfache Bedeutungen hat, ſo unterſcheidet Trendelen⸗ burg zuerſt dieſelben, um ſein Verhältniß zum Nothwendigen richtig beſtimmen zu können. Im äußer⸗ lichſten Sinne gefaßt iſt das Allgemeine das Gemeinſchaftliche, worin die Gruppen der Erfahrungen kübereinſtimmen. Es wird im Gedanken aus den einzelnen Gegenſtänden ausgeſchieden, im ruhenden Zuſtande aufgefaßt und heißt das Allgemeine der Thatſache. Eine höhere Form des Allgemeinen eiſt das Allgemeine der realen Bedingung. Es iſt das Unterſchiedsloſe, woraus das in ſich Unter⸗ ſchiedene werden kann. So iſt z. B. das Erz, welches ſich in der Bildſäule zur Darſtellung der Gliedmaßen verſchieden geſtaltet, das Allgemeine der realen Bedingung. Das Allgemeine vollendet ſich in dem Allgemeinen des Grundes. Es ſoll darunter ein Inbegriff von allgemeinen Bedingungen verſtanden werden, welche vereint ein Neues hervorbringen. Das Geſetz des freien Falles ergibt verbunden mit dem horizontalen oder ſchiefen Wurf die Parabel für dieſe Fälle als Wurflinie. Das Allgemeine in dieſem Sinne eröffnet uns das Verſtändniß der Dinge, indem es alle Bedingungen einer Sache zuſammenfaßt, in ihren Wechſelbeziehungen verfolgt und auf dieſe Weiſe dasſelbe, was die Sache hervorgebracht hat, im Gedanken nachbildet. In dem Allgemeinen des Grundes finden wir den Grund des Nothwendigen. Denn nur das iſt nothwendig, was aus dieſem Allgemeinen ſtammt. Da aber umgekehrt nichts allgemein iſt, was nicht zugleich nothwendig wäre, ſo iſt dieſer Rückſchluß aus dem ſich in der Erfahrung darſtellenden Allgemeinen auf das Nothwendige geſtattet. Der hier entwickelte Scharfſinn iſt nicht zu verkennen. Indem Trendelenburg das Noth⸗ wendige bis in ſeine Wurzeln verfolgt und dieſe vor uns ausbreitet, erhält der an ſich dunkele, weil nicht definirte Begriff ein helleres Licht.

Nicht minder treffend ſind die Bemerkungen, welche Trendelenburg über die Form macht, in welcher ſich das Nothwendige in der Erſcheinung darſtellt. Da das Nothwendige ſeinem Begriffe nach unveränderlich und unwandelbar iſt, ſo muß es ſich immer gleich bleiben d. h. mit ſich identiſch ſein. Die Identität iſt demnach die Darſtellung des Nothwendigen in der Erſcheinung. Sie iſt jedoch nicht greifjbar für unſere äußeren Sinne, ſondern wird nur dann erkannt, wenn der Geiſt die ſie bildenden Bedingungen denkt. Ob umgekehrt alles, was ſich als identiſch darſtellt, auch noth⸗ wendig ſei, hält Trendelenburg für wahrſcheinlich, entſcheidet es aber nicht. Darauf hebt Trendelen⸗ burg mit Recht die Bedeutung hervor, die das Identiſche für unſeren Geiſt hat. Ohne dasſelbe würde er gar nicht erkennen können. Um den uns umgebenden Raum uns vorſtellen zu können, bbedürfen wir eines feſten Punktes; zu dieſem Punkt machen wir zunächſt uns ſelbſt, der Schiffer