Aufsatz 
Studien zu Schillers Wallenstein. I
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I

Die Bedeutung des Gesprächs zwischen Wallenstein und Max, Wallensteins Tod II, 2.

Im Verlaufe des fünften Aufzuges der Piccolomini erhält Max von seinem Vater die erste Aufklärung über Wallensteins verräterische Absichten. Er glaubt weder den Worten noch den zu rechter Stunde erscheinenden Beweisen Octavios, sondern ent- schließt sich kurz, sogleich selber zum Herzog zu gehen, um aus dessen eigenem Munde die Wahrheit zu hören. Er läßt sich bei ihm melden, wird aber nicht angenommen; denn seine Ankunft fällt gerade in jenen verhängnisvollen Augenblick, in dem die Gräfin Terzky sich anschickt, das Werk zu vollenden, das den Männern aus der Um- gebung Wallensteins nicht gelungen ist: ihm den Entschluß zum sofortigen Handeln aus der Seele zu reißen.

Zwar ist der Herzog nicht abgeneigt, seinen jungen Freund zu empfangen!) sah er doch in ihm eine willkommene Ableitung, einen Schutz gegen die gefürchtete Zunge der Gräfin aber diese setzt seine Abweisung durch. Sie irrt freilich dabei in der

Annahme dessen, was Max hertreibt: sie meint nämlich, er komme, um Theklas Hand vom Vater zu erbitten, und rät deshalb spöttisch-lachend ihrem Schwager, den jungen Mann vorläufig nicht anzunehmen: er könne erwarten, was er bringe. Aber hätte sie gar eine Ahnung davon gehabt, was Max wirklich von Wallenstein wollte, so hätte sie ihn erst recht ferngehalten; denn eine Störung ihrer Kreise mußte sie unter allen Umständen jetzt verhindern. So kommt sie zum Ziele: von ihren wohl- berechneten Worten wie von Peitschenhieben getroffen, von ihrer geschickten Be- leuchtung der Sachlage geblendet, findet sich der Fürst wieder und damit seine alte Entschlossenheit, die ihm unter dem Zwange der auf ihn einstürmenden neuen Begeben- heiten Sesins Gefangennahme und die hochgespannten Forderungen der Schweden und der daraus sich ergebenden moralischen Anwandlungen zeitweise abhanden ge- kommen war: er leitet den Abfall vom Kaiser ein, d. h. er schließt mit den Schweden ab und sendet zugleich Boten nach Prag und Eger, die den Befehl der Uebergabe dieser Plätze, ganz oder zum Teil, in der Schweden Hände schleunigst überbringen und sich der Truppen für den Herzog versichern sollen. Erst nachdem der Abfall Wallen- steins vom Kaiser glücklich eingeleitet ist, wird Max vorgelassen(W. T.II, 2). Ver- geblich bemüht er sich, den Feldherrn zu bewegen, sein Unternehmen aufzugeben: er

1) Nach einer älteren Fassung war er sogar geneigt, ihn ausdrücklich rufen zu lassen, nachdem er die ersten Beweise von der Überredungskunst der Gräfin erhalten hatte.