Aufsatz 
Die wichtigsten Grundregeln gesunder Lebensführung für die Jugend / von Dr. Karl Endemann, Direktor des Königl. Gymnasiums zu Dillenburg
Entstehung
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ſich leicht Lebensglück und Lebenserfolg. Geh fleißig um mit der Mutter Natur! Die hat noch niemand verdorben! Fürchte dich vor nichts als vor der Sünde, der Schuld, die dein inneres Leben vergiften und dir deine Ehre, Frohſinn und Schuld. Glück rauben. Wer rein iſt von Schuld, iſt meiſt heiter und friſch. Der Mißmutige und Verdroſſene leidet meiſt unter dem Drucke einer Schuld. Sie hemmt und lähmt Lebensfriſche und Lebenskraft.

Tue nie etwas im Gedanken: Es ſiehts ja doch nie mand. Dein Tun darf nach ſeiner ſittlichen Seite kein Auge ſcheuen, kein Ohr. Lichtſcheues Tun ſtraft ſich einmal ſicher, wenn nicht bald, ſo ſpäter deſto ſchwerer. Gottes Mühlen mahlen langſam.

Tue nie etwas gegen deine Würde, deine Ehre, dein beſſeres Gefühl! Richte deinen Geiſt immer nur auf einen Gegenſtand. Zerſtreue dich nicht! Sammlung gibt Kraft und iſt beſſer als Zerſtreuung, die Schwäche bedeutet.

Wichtig ſei dir die Bildung deines Verſtandes und die Er⸗ gerzeng. und werbung des Wiſſens, noch wichtiger die Bildung des Herzens, ilensbildung. am wichtigſten die Bildung des ſittlichen Willens. So wirſt du ein Charakter, eine kraftvolle ſittliche Perſönlichkeit. Sittliche Intelligenz iſt die höchſte, die der Menſch erreichen kann. Sie führt zum wahren Glück.

Tue aus gutem Willen, was du ſollſt. Ein alter Philoſoph antwortete auf die Frage, was ſeine Schüler bei ihm lernten: Das freiwillig zu tun, was die Geſetze befehlen. Waren ſie wohl auf dem rechten Wege?

Jetzt ruft dir das Sittengeſetz zu:Du ſollſt nicht Unrecht tun! Wandle es bald um in ein:Ich will nicht Unrecht tun, damit daraus durch ſtete Gewöhnung werde:Ich kann nicht Unrecht tun! Das iſt die höchſte Stufe der Sittlichkeit, die da beruht auf ſittlicher Einſicht, ſittlichem Willen, ſittlicher Ge⸗ wöhnung.

Merke dir eins: die Toren ſagen:Es iſt kein Gott. Seine Exiſtenz läßt ſich zwar für den Verſtand ebenſowenig beweiſen wie ſeine Nichtexiſtenz. Aber jeder wahr und natürlich empfindende Menſch, der ſein Gefühl nicht künſtlich abſtumpft, ahnt und ſpürt und erlebt ihn in ſeiner Seele. Die wahrhaft großen und wirk ſamen Männer aller Zeiten waren gottesgläubig. Dieſer Glaube bildete ſogar, wie z. B. bei Stein und Bismarck, das Geheimnis