Aufsatz 
Über Erziehung und Charakterbildung im Hause Hohenzollern / Endemann
Entstehung
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nach Kleinsassen, dann auf die Milseburg, und weiter über die Steinwand und Poppenhausen nach Gersfeld. Am folgenden Tage wurde ein Ausflug nach dem Kreuzberg gemacht, wo das Kloster allen gastliche Aufnahme gewährte, und nachmittags nach der Rückkehr nach Gersfeld mit Leiter- wagen nach der Eisenbahnstation Kerzell gefahren. Der Abendzug brachte die zwar müden, aber von den empfangenen Eindrücken an den trotz des trüben Wetters in ungetrübter Stimmung ver- lebten Tagen voll befriedigten Wanderer nach Hanau zurück. Einen wesentlichen Anteil an dem schönen Verlauf hatte die Gymnasiastenkapelle, welche sich im Sommer gebildet hatte, und auf dieser Reise zum ersten Mal die Ermüdeten mit den Klängen ihrer Märsche erfrischte und erfreute.

Am 14. August hatten auch die übrigen Klassen unter Führung ihrer Ordinarien Ausflüge in die nähere und fernere Umgegend Hanaus ausgeführt.

Der Sedantag wurde morgens durch einen Schulakt in dem Gymnasium begangen, bei welchem Oberlehrer Dr. Wolff die Rede über die kolonisatorischen Bestrebungen des grossen Kur- fürsten hielt. Hierauf beteiligten sich Lehrer und Schüler an dem von dem Kriegerverein ver- anstalteten Zuge nach den Gräbern der im Kriege Gebliebenen. Nachmittags marschierte das Gymnasium in geschlossenem Zuge von einem Teile der Militärmusik und der Schülerkapelle begleitet nach Wilhelmsbad. Nachdem der Direktor hier nochmals in einer Ansprache auf die Bedeutung des Tages hingewiesen, feierte die Schule im Anschluss an das von dem Kriegerverein veranstaltete Volksfest auf einem für das Gymnasium besonders hergerichteten Festplatze unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen der Schüler und anderer Gäste den nationalen Festtag mit Spiel, Gesang und mannigfachen Belustigungen.

Am 7. September wurde die mündliche Reifeprüfung unter dem Vorsitze des Herrn Pro- vinzialschulrates Dr. Lahmeyer abgehalten. Der Abiturient, welcher sich der Prüfung unterzogen hatte, wurde für reif erklärt.

Das Wintersemester wurde nach 14tägigen Ferien am 12. Oktober eröffnet. Mit Beginn desselben trat Kandidat Otto Eitel aus Weilburg sein Probejahr an. Ausserdem wurden auf ihren Wunsch die Kandidaten Hermann Neubourg und Joh. Kromm, welche ihr Probejahr an dem hiesigen Gymnasium abgeleistet hatten, der Austalt zur Beschäftigung während des Winter- semesters überwiesen.

Am 31. Oktober begingen die evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt in der Marien- kirche gemeinsam die Feier des heil. Abendmahls.

Die zweiwöchentlichen Weihnachtsferien begannen am 23. Dezember.

Die Maturitätsprüfung, an welcher 4 Primaner teilnahmen, wurde in ihrem schriftlichen Teil vom 21. bis zum 25. Februar abgehalten. Die mündliche Prüfung fand unter dem Vorsitz des Königlichen Kommissars am 23. März statt. Sämtliche Schüler wurden für reif erklärt, einer von der mündlichen Prüfung befreit. 1

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 22. März durch einen Schulaktus gefeiert. Die Festrede hielt Dr. Peters über die deutsche Kaiseridee in der Dichtung.

Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im ganzen ein befriedigender.

Die Hülfslehrer Dr. Peters und Kromm wurden für je 14 Tage durch Einberufung zur militärischen Dienstleistung ihrer Lehrthätigkeit entzogen.

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