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wird. Das Nationalitätsgefühl war erſtickt; Griechen wurden jetzt hingemordet, wie früher Bar⸗ baren. Nach dem damaligen Kriegsrecht war der Beſiegte dem Sieger mit Leib und Leben ver⸗ fallen, und von Humanität in unſerem Sinn werden wir doch am allerwenigſten im peloponne⸗ ſiſchen Kriege Spuren finden.
Wenn wir das Geſagte erwägen, werden wir es wohl begreiflich, keineswegs jedoch gerecht⸗ fertigt, finden, wie das Volk in der erſten Aufregung und Angſt, die Kleon zu ſchüren verſtand, jenen grauſamen Beſchluß faſſen konnte, ebenſo wie Kleon, für deſſen aufbrauſende, lärmende und leidenſchaftliche Natur dieſe Verſammlung ſehr geeignet geweſen ſein mag, die Gelegenheit als eine ſehr willkommene ergriffen hat, um ſich durch die Macht ſeiner Rede, durch welche er vor der Verſammlung hervorragte, als Lenker des Volkes zu zeigen. Daß er auch am folgenden Tage auf ſeiner Meinung feſt beharrte, wie ja auch der größte Theil der Verſammlung, zeigt von ſtarrer Conſequenz und Feſthalten an dem verfaſſungsmäßig rechtsgültigen Beſchluß. Nach ſeinem Dafürhalten war nun einmal äußerſte Strenge gegen die Abtrünnigen des Staates Wohl, und die ſpäter erfolgenden Abfälle und Aufſtände haben ſeine Anſicht beſtätigt. Er zeigt uns ſeine feſte Entſchloſſenheit zur Durchführung einer ſtrengen Herrſchaft Athens über die Bundes⸗ genoſſen und befindet ſich in dieſem Punkte in Uebereinſtimmung mit Perikles, der die Herrſchaft Athens geradezu eine Tyrannis nannte. ¹)
Von vielen Seiten iſt dem Kleon bitter vorgeworfen, er habe dem Volke geſchmeichelt und dies auch bei der von ihm gehaltenen Rede gezeigt. Doch ſchon die erſten Worte derſelben, mit denen er die Demokratie für unfähig erklärt, über ein Reich zu herrſchen, und viele andere Stellen, wo er den Athenern derb die Wahrheit ſagt, machen es uns unmöglich, ihn für einen Schmeichler zu halten; wir müßten es denn für eine Schmeichelei anſehen, wenn er die Athener wankelmüthig nennt, wenn er ihnen vorwirft, daß ſie die Geſetze mit Füßen treten.
Die Entgegnung des Diodot zeigt uns ferner, daß es mit der Beſtechlichkeit des Kleon nicht ſehr weit her geweſen ſein muß, von der wir übrigens bei Thukydides keine Andeutung finden; denn wäre er mit dieſem Laſter behaftet geweſen, ſo dürfen wir doch wohl annehmen, daß Diodot, dem von ihm Beſtechlichkeit vorgeworfen war, uns dies nicht verſchwiegen hätte. Auch hatte Diodot keine Furcht vor dem Sykophanten, ſonſt hätte er wohl nicht geſagt, daß Kleon gar keine oder nur eine verderbliche Meinung hätte, und daß es für den Staat beſſer ſei, wenn ſolche Menſchen gar nicht mitreden könnten.
Die Rede des Kleon aber zeigt Kraft und Gewandtheit ²) und beweiſt ſeine Fähigkeit als Sprecher und Leiter einer Debatte.
Faſſen wir das bisher Geſagte zuſammen, ſo werden wir in Kleon nicht einen blut⸗ und rachedürſtigen Demagogen, nicht einen Schmeichler, Sykophanten und beſtechlichen Menſchen finden, wohl aber eine Perſönlichkeit, die von Natur aufbrauſend und leidenſchaftlich, die Gegner verdäch⸗ tigt und anfeindet, die durch die Macht der Rede ſich Einfluß bei der Menge verſchafft und
¹) Thuk. II, 63. i ν‿αανρνέι‿α dο 1 ε ts aurizv.
²) Cic. Brut. cap. 7.»Cleonem etiam temporibus illis turbulentum illum quidem civem, sed tamen eloquentem constat fuisse.
eod. loco. 8. grandes erant verbis, crebri sententiis, compressione rerum breves et ob eam ipsam causam interdum perobscuri,« welche Worte auch auf Kleon Bezug haben.


