Aufsatz 
Samson Raphael Hirsch
Entstehung
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5.

diesem Herrn Hirsch, dem Verfasser desChaurew, ihre Kinder anzuvertrauen. Der Verewigte erwiderte darauf umgehend vor demselben Forum der Oeffentlichkeit, sah sich jedoch veran- lasst, seine Erwiderung imIntelligenzblatt erscheinen zu lassen. Sie stand in der 1. Beilage der No. 83 des genannten Blattes vom Freitag, dem 8. April 1853 und lautet:

Das rabbinische Judenthum und die sociale Bildung.

Ein erstes und letztes Wort zur Verständigung.

Ein mit No. 78 desFrankfurter Journal ausgegebenes Blatt hat von der Ankün- digung einer Unterrichtsanstalt der israelitischen Religionsgesellschaft Veranlassung genommen. sich über rabbinisches Judenthum und sociale Bildung in einer Weise zu expectoriren, dass mit der ganzen Expectoration nichts weiter erreicht ist, als dem Publikum zu zeigen, wie sehr dem anonymen Expectoranten die allerersten Elemente sowohl der socialen Bildung, als des rabbinischen Judenthums eine unbekannte Grösse seien, und wie sehr man in gewissen Kreisen das rabbinische Judenthum gern bereits als so antiquirt und in der allgemeinen Achtung herabgekommen betrachten möchte, dass auch die leichtsinnigste Gedankenlosigkeit und die begriffloseste Unwissenheit auf zujauchzende Sympathien im Publikum rechnen zu können vermeinen dürften, sobald sie nur über das rabbinische Judenthum vornehm den Stab prechen. wenn sie auch damit tausend Bruderherzen, die noch mit inniger Liebe diesem väterlichen Heiligthume anhangen, in kalter Gefühllosigkeit schmerzlich verwunden.

Nicht daher jene in sich selbst zerfallenden anonymen schülerhaften Ergiessungen zu entkräften, sondern diesen Todtenschein unseres jüdischen Heiligthums nicht durch Schweigen zu bestätigen, ist Zweck dieser entgegnenden Worte.

Sociale Bildung? Sociales Wissen und Leben? Die Erleuchtung des Geistes, dass er die Verhältnisse und Beziehungen des allgemeinen socialen Lebens in ihren auf dem Boden der Natur und Geschichte erwachsenden Entwickelungen der Vergangenheit und Gestaltungen der Gegenwart wahr zu erfassen und gerecht zu würdigen verstehe, die Veredlung des Herzens, dass es warm für alles Wahre, Edle und Grosse in weitem humanen Kreise schlage, und mit freudiger Hingebung überall bereit sei, wo nur immer es gelte menschliches Heil zu mehren, die Entwickelung endlich aller Anlagen und Kräfte, dass auch mit dem Willen die Fähigkeit sich eine, für das allgemeine menschliche und bürgerliche Heil segensreich thätig zu sein das haben wir einfältige, rabbinische Juden in unserer rabbinischen Eintfalt bis jetzt für den alleinigen Stempel wahrhafter socialer Bildung gehalten und waren so ein- fältig zu glauben, dass diese Erleuchtung des Geistes, diese Veredlung des Herzens, diese Ertüchtigung der Kräfte, diese ächt sociale Bildung sehr wohl mit treuer, unverbrüchlicher Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben bestehe, ja, in diesem Glauben und aus ihm erst ihre rechte Wurzel und Nahrung ziehe; waren so einfältig zu glauben, dass der Er- leuchtung des Geistes, der Veredlung des Herzens wenig Vorschub damit geschehe, mit der einen Hand der Jugend die Bibel als Gottes Wort zu reichen und mit der anderen den Stab des Leichtsinns darzubieten, mit vermessenem Leichtsinn sich über Gottes Wort hinweg zu setzen und seine heiligen Gebote und Gesetze nach den Bedürfnissen der Mode und der