4
des gebrochenen Strahles BH beſtimmt wird. Denn ziehen wir noch HI ſenkrecht auf D E, ſo iſt Sinus CBE: Sinus HBE= CF:; HI= 3: 2.
Dieſer Brechung zufolge würde der leuchtende Punkt A von dem hinter dem Glaſe in H befindlichen Auge in der Verlängerung des gebrochenen Strahles HB, alſo nicht mehr in A, ſondern in A geſehen werden.
Wenn umgekehrt ein Lichtſtrahl H B aus Glas in die Luft übertritt, ſo wird er von dem Einfallslothe EB jetzt abgelenkt und in der Richtung BA gebrochen, ſo daß das in A befind⸗ liche Auge den Punkt nicht mehr in H, ſondern in C ſehen würde.
§. 5. Es ſei! ein leuchtender Punkt(Fig. 4). Von den Lichtſtrahlen, welche derſelbe nach allen Richtungen hin entſendet, wollen wir blos diejenigen betrachten, welche von dem kegelförmigen Raume lih eingeſchloſſen ſind. In den Abſtänden la= ab= be werde dieſer Raum durch die auf der Axe ſenkrechten Ebenen de, f g, ih durchſchnitten; die Durch⸗ ſchnitte ſind Kreiſe, deren Radien a d, bf, ch ſich wie la zu 1b zu le oder wie 1: 2: 3 verhalteu; die Inhalte verhalten ſich aber wie die Quadrate der Radien, und deßhalb iſt der Durchſchnitt hi neunmal, und fg viermal ſo groß, als der Durchſchnitt de. Da aber dieſe drei Kreiſe von derſelben Menge Lichtſtrahlen beleuchtet werden, ſo muß natürlich die Belench⸗ tung des Kreiſes hi neunmal, und die des Kreiſes fg viermal ſchwächer ſein, als die Beleuch⸗ tung des Kreiſes de. Es geht daraus hervor, daß die Lichtſtärke im quadratiſcheu Verhält⸗ niſſe der Entfernung ſchwächer wird.
Wenn aber der Lichteindruck, welchen ein entfernter Gegenſtand auf unſer Sehorgan macht, ſchwächer wird, ſo wird das Sehen erſchwert; der Gegenſtand wird bei größer werdender Entfernung zuerſt undeutlich und zuletzt gar nicht mehr wahrgenommen.
§. 6. Es ſtelle DEab(Fig. 5) den annähernd kugelförmigen Augapfel vor; ein Punkt A entſendet nach demſelben einen Lichtkegel, deſſen Spitze A, und deſſen Baſis die hinter der ſtärker gewölbten Hornhaut D E befindliche Pupille iſt. Sämmtliche Strahlen dieſes Licht⸗ kegels werden in dem Auge in der Art gebrochen, daß ſie ſich in einem Punkte a auf der Netzhaut vereinigen. Dasſelbe gilt von dem anderen Endpunkte B eines Gegenſtandes AB; ſein Bild auf der Netzhaut iſt b, und da das Bild aller Zwiſchenpunkte von A B zwiſchen a und b zu liegen kommt, ſo entſteht auf der Netzhaut ein umgekehrtes Bild ab von AB. Durch dasſelbe wird die Netzhaut gereizt und die Empfindung des Sehens bewirkt— Es iſt einleuchtend, daß die Deutlichkeit des Sehens von der Größe dieſes Bildes abhängt; iſt dasſelbe ſehr klein, ſo vermag es nicht mehr die Netzhaut in dem erforderlichen Grade zu erregen, der Gegenſtand wird undeutlich oder gar nicht mehr geſehen.
Der Winkel A CB, welchen die Sehſtrahlen der beiden äußerſten Punkte des Gegen⸗ ſtandes AB in dem Auge bilden, und welcher dem Winkel a Cb gleich iſt, heißt der Seh⸗ winkel. Von der Größe dieſes Winkels hängt offenbar die Größe des Bildes ab und mithin die Deutlichkeit des Sehens, ſowie die ſcheinbare Größe des Gegenſtandes ab. Rückt A B mehr in die Ferne, ſo wird der Sehwinkel kleiner, und der Gegenſtand, welcher jetzt ebenfalls kleiner erſcheint, wird weniger deutlich geſehen. Kommt dagegen A B dem Auge zu nahe, ſo kann der Fall eintreten, daß die von je einem Punkte desſelben ausgehenden Strahlen nach ihrer Brechung ſich erſt hinter der Netzhaut vereinigen werden; das Bild ab wird in Folge davon unbeſtimmter und verſchwindet endlich ganz. Damit hängt zuſammen, daß wir die Gegenſtände erſt in einer gewiſſen normalen Entfernung, welche die Sehweite heißt, deutlich ſehen können. Dieſelbe beträgt für ein geſundes Auge 8 bis 10 Zolle.


