Aufsatz 
Der Theodolit, seine Einrichtung und praktische Anwendung auf wissenschaftlicher Grundlage dargestellt
Entstehung
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ſondern ſie nähert ſich jetzt immer mehr gegen die Mitte, und in dem Augenblick, wo a und b gleich hoch liegen, wird die Luftblaſe um den höchſten Punkt e ſich bilden und daſelbſt zur Ruhe kommen. Hieraus iſt man aber natürlich auch zum umgekehrten Schluſſe berechtigt: wenn die Luftblaſe um die Mitte c herum zur Ruhe kommt, ſo liegen die Punkte a und b gleich hoch, d. h. die Gerade ab iſt eine horizontale Linie.

Hierauf beruht die Einrichtung der Libelle, deren man ſich bedient, um eine Ebene horizontal zu ſtellen, oder auch um eine horizontale grade Linie herzuſtellen. Man unter⸗ ſcheidet zwei Arten.

1. Die Röhrenlibelle.

§. 2. Ein Cylinder von Glas, deſſen unterer Theil in eine meſſingene Röhre ab(Fig. 1) gefaßt iſt, und welcher in der Mitte c ſeiner oberen Seitenwand im Inneren etwas hohl geſchliffen iſt, wenn die Länge nicht 10 bis 12 Centimeter erreichen ſollte, wird bis auf den zur Bildung einer kleinen Luftblaſe erforderlichen Theil mit Weingeiſt gefüllt und gut ver⸗ ſchloſſen. In gleichen Abſtänden beiderſeits gegen die Mitte hin ſind in das Glas correſpon⸗ dirende Theilſtriche eingeäzt, um die Luftblaſe, deren Ausdehnung wegen der Einwirkung der Wärme bald größer, bald kleiner iſt, in der die horizontale Stellung bedingenden richtigen Lage genauer beobachten zu können. Die Faſſung iſt mit einer ebenen Platte de von Meſſing vermittelſt der beiden Träger eg und dh in der Art verbunden, daß das eine Ende um die horizontale Axe f drehbar iſt, während das andere Ende vermittelſt der Schraube i unter Mitwirkung der Feder kl innerhalb des gabelförmig ausgeſchnittenen Trägers dh ſich bewegend, höher oder tiefer geſtellt werden kann, bis ab und de genau parallel ſind, was auf folgende Weiſe erzielt wird:

Auf einer annähernd horizontalen Ebene ziehe man eine Gerade mu, ſtelle die Libelle längs derſelben, einmal in der Reihenfolge der Buchſtaben mden und dann in der Ordnung medn darauf, und bemerke ſich an den Theilſtrichen in beiden Fällen den Stand der Luft⸗ blaſe. Geſetzt der Neigungswinkel von mun gegen die Horizontale ſei gleich u, und der Winkel, welchen ab und de mit einander bilden, ſei v, ſo iſt offenbar, daß ab in der einen Lage um den Winkel v Pu und in der anderen Lage um v u von der Horizontalen abweicht, welches zur Folge hat, daß der Stand der Blaſe in der Libelle in beiden Fällen verſchieden iſt. Durch Halbirung des Unterſchiedes, welchen man leicht an den Theilſtrichen ermitteln kann, erhält man die Punkte, zwiſchen welchen die Blaſe ſich befinden müßte, wenn ab und de parallel ſein ſollen; man dreht demnach die Schraube i, bis die Blaſe zwiſchen dieſen beiden Punkten einſpielt. Zur Erzielung einer größeren Genauigkeit muß dieſes Verfahren ſo lange wiederholt werden, bis der Unterſchied des Standes der Luftblaſe in den beiden entgegengeſetzten Lagen der Libelle ganz verſchwunden iſt.

2. Die Cylinderlibelle.

§. 3. Ein hohler Cylinder ab(Fig 2) von Meſſing iſt oben mit einer etwas hohl geſchliffenen Glasplatte und unten mit einer kleinen Schraube geſchloſſen. Nachdem derſelbe durch die Schraubenöffnung bis auf den zur Bildung einer Luftblaſe erforderlichen kleinen Raum mit Weingeiſt gefüllt worden, wird die Oeffnung verſchloſſen. Von dem Mittelpunkte aus ſind auf dem Glasdeckel concentriſche Kreiſe beſchrieben, innerhalb welcher die Luftblaſe