1. schüler: Fragst du die Rose denn, warum sie blüht Und wer sie segnete mit Wohlgerüchen, Ob dieser oder jener Himmelsstrahl? strömt nicht des Lichtes warmer Lebenshauch stets ganz und ungeteilt in jede Zelle? Ein Ganzes auch ist schillers Genins, Nicht wägen kann man seines Wesens Teile, Denn jeden Teil durchströmt die ganze Kraft: Und soll ich seiner Hoheit Höchstes nennen, so wird zur Marter mir der Zwang der Wahl.— Doch anders, wenn in trauter Freundesrunde Zu schillers Preise man die Laute stimmt. Dann rühme ich aus tiefstem Herzensdrange Des tapfren sängers stolzen Mannessinn, Der unerschrocken, mit Titanenmacht Für unsres Geistes Freiheit hat gestritten. Wo seines kühnen sanges sturmwind rauschi, Da ist kein Raum für harte sklavenketten; Berührt von seines Flammenwortes Blitz, Erklirren sie, zerSPlittern, brechen, fallen. Und von der Freiheit Melodien umkreist, schwingt fessellos zum Lichte sich der Geist.
3. schüler: Die Freiheit, die sein sängermund verkündet, Erquillt uus nicht aus wilder Kraft der Wünsche, sie quillt nur aus des Herzens strenger Zucht Und aus dem Himmelsborn der edlen sitie. so wird zun Preis der Tugend sein Gesang, Der deutschen Tugend, die als Vätererbe Zu wahren und zu mehren er uns mahnt. Des Alltags ruhlos emsiges Beginnen Verklärt sein Geist mit reinem strahlenkranz. Den Pflug des Landmanus wie des Kriegers Degen, Den schlag der Hämmer in des Bürgers Werkstatt Und auf dem Markte das geschäft'ge Drängen, In engen Kreis der Frauen stille Tat, Den schweiß des Knechtes und der Kön'ge sorgen,— sie adelt seines Liedes Majestät Und macht den Zwang der Pflichten zum Gebet.


