B. Zur Chronik der Anstalt.
1. Das Schuljahr 1876— 77 wurde Montag den 24. April mit der herkömmlichen Feier er- öffnet. Der Unterricht begann Dienstag den 25. April..
2. Nachdem am 24. April die allerhöchste Bestätigung der Wahl des Unterzeichneten zum Director der Anstalt durch Se. Majestät den Kaiser erfolgt war, wurde die Einführung desselben in sein Amt am 20. Mai durch Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel vollzogen. An der Feier, welche in der Aula vor versammeltem Lehrercollegium und sämmtlichen Schülern der Anstalt statt- fand, hatten sich der Herr Vorsitzende des Curatoriums, Oberbürgermeister Cassian, sowie noch drei weitere Mitglieder desselben betheiligt. In längerer Rede hob der Herr Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel die Bedeutung der Realschulen, ihre Bildungsmomente für den höheren Bürgerstand und die Bedingungen einer gedeihlichen Entwickelung derselben hervor und gedachte besonders der Ziele, welche diese Lehranstalten zu erstreben haben, namentlich, dass es nicht ausschliesslich die prak- tischen Ziele sein dürften, welche man zu verfolgen habe, sondern dass daneben auch der idealen Seite gebührende Rechnung zu tragen sei und dass, wie auch vom Herrn Minister in öffentlicher Rede hervorgehoben worden, der Geist ächten Christenthums die Jugendbildungsanstalten durch- dringen müsse. In diesem Sinne sei unsere Anstalt von dem nunmehr in den Ruhestand getretenen bisherigen Director, Herrn Dr. Herwig, welcher sich bleibende Verdienste um dieselbe erworben, geleitet worden, und wenn dies auch fernerhin geschehe, so werde es um diese Schule gut bestellt sein. Unter Hinweis auf die Wichtigkeit und Verantwortlichkeit des Amtes eines Directors ver- pflichtete er sodann den Unterzeichneten durch Handschlag an Eidesstatt auf seinen neuen Dienst.
Nachdem hierauf der letztere den Gefühlen seines Dankes gegen die hohe Staatsregierung, gegen das Curatorium und die städtischen Behörden, welche ihm durch Berufung zu dieser Stelle ihr be- sonderes Vertrauen erwiesen, Worte verliehen hatte, verbreitete er sich weiter über die Erforder- nisse zu einer gedeihlichen Wirksamkeit im Erziehungsfache, insbesondere über die dazu nöthige Berufsfreudigkeit, aus welcher die Berufstreue entspringe, sowie über die Grundvoraussetzung zu dem Allen, dass es nämlich das unbedingte Gottvertrauen sein müsse, womit der Erzieher und Bildner der Jugend sich zu erfüllen habe, wenn seine Thätigkeit eine segensreiche sein solle. Mit Gebet und Gesang wurde sodann diese Feier geschlossen.
3. Die Sommerferien wurden in diesem Jahre auf 3 Wochen, vom 3. bis 22. Juli erstreckt.
4. Ueber die Feier des Sedanfestes am 2 Sept. s. u. F. 1.
Die Herbstferien wurden unter Berücksichtigung der in der Ferienordnung gegebenen Vor- schrift, wonach dieselben so zu legen sind, dass die Lehrer an der allgemeinen Philologen- und Schulmänner-Versammlung, welche in diesem Jahre vom 24. Sept. an gehalten wurde, Theil nehmen können, in die Tage vom 16. Sept. bis 7. October verlegt.
6. Durch Bestallungsurkunde vom 27. October 1876, welche unter dem 8. November die Be- stätigung des Königl. Provinzial-Schulcollegiums zu Kassel gefunden hatte, wurde der bisher provi- sorische Turnlehrer der Realschule Herr Philipp Störger defnitiv bestellt und am 25. November vor versammeltem Lehrercollegium durch den Unterzeichneten in vorschriftsmässiger Weise vereidigt. Ueber seine Lebensverhältnisse hat derselbe folgende Angaben gemacht:
Johann Philipp Störger, geboren den 16. April 1821 zu Hanau, lutherischer Confession, besuchte die Real-
schule seiner Vaterstadt bis 1835, trat darauf in die Lehre als Juwelier, verliess 1842 Hanau, um sich in Pforzheim, Karlsruhe, Stuttgart und München weiter auszubilden und kam 1846 nach Wien. Dort trat er in


