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den Schülern leicht zugänglich. Die Direction des Realgymnasiums fühlt siech dem löblichen Vorstande der hiesigen Casinogesellschafſt zu besonderem Danke verpflichtet, dass derselbe ihr eine Anzahl Eintrittskarten zum Besuche der Bälle für diejenigen erwachsenen Schüler, deren Eltern nicht in Wiesbaden wohnen, auch in diesem Jahre zur Verfügung gestellt hat, weil dadurch diesen Gelegenheit gegeben wurde, sich in den Kreisen der guten Gesellschaft bewegen zu lernen.
D. Disciplin.
Obgleich die gegenwärtig dem Realgymnasium überwiesenen Räumlichkeiten, bei dem Mangel eines freien Platzes, auf dem sich die Schüler vor Beginn des Unter- richts versammeln und während der Pause frische Luft und freie Bewegung geniessen könnten, der Aufrechthaltung der Ordnung im Innern des Hauses durchaus nicht förderlich sind, auch das Hin- und Herwandern der Schüler, aus dem Schützenhof nach den Lehrsälen der Physik und Chemie und zurück gar leicht zu Unordnungen Veran- lassung geben kann, so ist doch im abgelaufenen Jahre das Verhalten der Schüler im Allgemeinen befriedigend gewesen. Erheblichere Gesetzwidrigkeiten sind nicht vorge- kommen. Bei drei Veranlassungen mussten Carcerstrafen in Anwendung kommen. Während des Winters wurden die Schüler öfters von den Lehrern in ibren Wohnungen besucht. Um dicjenigen Schüler, welche sich im Vorwinter am Tanzunterricht bethei- ligten, wegen der ungesäumten Heimkehr nach dem Schluss der Tanzstunde unter Controle zu stellen, erliess die Direction des Realgymnasiums am 2. November 1862 ein Circular an alle Kostherrn und Eltern derselben, und ersuchte diese dringend, von etwa vorkommenden Contraventionen sofort Anzeige zu machen.*
E. Physis ches Wohl.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im Laufe des Sommersemesters ganz befriedigend, im Winter kamen jedoch wegen kürzeren Unwohlseins mehr Schulver- säumnisse vor. Da gegen Ende des Jahres das Scharlachfieber häufiger auftrat, so wurden etwa 10 Tage vor den Weihnachtsferien 5 Schüler, welche alle in einem Hause wohnten, wo ein junger Mensch an dieser Krankheit gestorben, auf das dringende An- suchen ihrer Eltern beurlaubt und nach Hause geschickt.
Ein ähnlicher Fall hielt im Anfang dieses Jahres einen Primaner 14 Tage vom Schulbesuche ab. Ein Schüler der Tertia, der zu Ende Novembers schwer erkrankte, musste im Anfange dieses Jahres nach. Hause gebracht werden, und ist noch nicht zur Schule zurückgekehrt.
Die drei Schüler, welche die Anstalt im Laufe des Jahres durch den Tod ver-


