Aufsatz 
Die einfachsten Mittel zur Zeitbestimmung für's praktische Leben : 1. Teil
Entstehung
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derselben möglichst abgekürzt wird; ebenso enthalten die astronomischen Ephemeriden immer eine Columne(die Berliner mit der Ueberschrift log. ⁴½.), welche für jeden Tag angiebt, um wie viel sich die Declination der Sonne gegen die des vorhergegan- genen Tages geändert hat.

Da aber die genaueste Zeitbestimmung das wahre Lebenselement der practischen Astronomie ist, und jede Beobachtung nur dadurch für sie wissenschaftlichen Werth erlangt, dass der genaue Zeitmoment dabei bemerkt wurde, in welchem sie angestellt wor- den; da alle Winkelgrössen am Himmel nicht unmittelbar, sondern durch die Zeit ge- messen werden und zuletzt jede auch noch so vortrefflich gearbeitete Uhr, als ein Werk von Menschenhand, Unvollkommenheiten und Mängel an sich trägt, die theils in dem dazu verwendeten Material, theils in der durch die Aenderung der auf sie einwirken- den Temperatur in Ausdehnung und Zusammenziehung der einzelnen Theile ihren Grund haben, so ist es leicht begreiflich, wie die alltäglich sich wiederholende Beobachtung der Sonne zum Zweck der Zeitbestimmung ein Hauptgeschäft des Astronomen ist, und wie er nur durch diese die Gewisheit von der Brauchbarkeit seiner Beobachtungen erlangen kann. Weil jedoch die im Früheren beschriebenen Methoden immer zeitrau- bend sind, so hat man zum practischen Gebrauche eine einfachere erfunden, in welcher, durch die sorgfältigere Herrichtung eines genauen Instrumentes so wie durch die unverrückbar feste Aufstellung desselben alles das erreicht wird, was bei den vor- hergehenden Methoden erst durch die Berechnung erlangt wurde. Es ist dieses das sogenannte Mittagsrohr oder Passageinstrument.*)

Alle Vorrichtungen nun, die man im gewöhnlichen Leben getroffen, um die Zeit zu bestimmen, sind insgesammt nur mehr oder weniger vollkommene Nachbildungen und Nachahmungen des Passageinstruments. Sie alle bezwecken hauptsächlich, den Moment der Culmination der Sonne mit möglichster Schärfe anzugeben. Dass man ihnen oft, namentlich den Sonnenuhren, auch noch die Einrichtung giebt, die übri- gen Stunden des Tages anzuzeigen, ist eigentlich nur unwesentliches Beiwerk, wel-

*) Dasselbe besteht aus einem Fernrohr, welches auf einem möglichst soliden Stative so aufgestellt ist, dass seine optische Axe und somit der Mittelfaden des in derselben angebrachten Fadenkreuzes bei jeder Neigung des Rohres gegen den Horizont immer gepau in der Meridianebene liegt, und also bei der verticalen Bewegung des Rohres um seine horizontalen Lagerzapfen genau den Meridian am Himmelsgewölbe durch- läuft. Durch diese, nicht ohne viele Schwierigkeiten zu erlangende genaue Lage seines Fernrohrs wird der Astronom in den Stand gesetzt, die Culmination der Sonne oder eines Sterns bis auf die einzelnen Bruch- theile einer Secunde genau anzugeben, und durch Vergleichung seiner Beobachtungen mit seiner Uhr sowohl ihren jeweiligen Stand als auch ihren Gang auf das bestimmteste zu erkennen. Weiss er nun, wie viel die- selbe in 24 Stunden gegen richtige mittlere Zeit voreilt oder zurückbleibt, so ist es ihm ein Leichtes, unter Annahme eines vollkommen gleichförmigen Ganges seiner Uhr, auch den kleinen Bruchtheil zu bestimmen, der seiner Uhrzeit, bei einer Beobachtung, die er in der Zwischenzeit gemacht hat, mit dem gehöõrigen Zei- ehen zugelegt werden muss. 4

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