Aufsatz 
Bestimmung der Richtung, in welcher sich ein Punkt der Erdoberfläche in einem gegebenen Zeitmomente durch den Raum bewegt / von A. Ebenau
Entstehung
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III. In den bisherigen Betrachtungen ist auf die tägliche Rotation der Erde um ihre Axe noch gar keine Rücksicht genommen worden. Es war dieses noch nicht nöthig, da wir es nur mit einer mathematischen Linie(der Erdaxe) und einem mathematischen Punkte(dem Erdmittelpunkte) zu thun hatten, die beide an der eigentlichen Rotation keinen Antheil neh- men. Um nun aber zur Bestimmung der Bewegungsrichtung eines Punktes auf der Erdober- fläche fortzuschreiten, welcher vermöge der Rotation der Erde jeden Augenblick seine Lage in Bezug auf die Sonne und somit auch auf die Richtung der Bewegung der Erde ändert, müs- sen wir uns die Hauptlagen, die ein Ort der Erde gegen die Sonne einnehmen kann, zuvör- derst Kar machen. Da jeder Ort im Laufe eines Tages einen vollen Umschwung um die Erd- axe vollendet, so wird es am zweckmässigsten sein, wenn wir uns ein deutliches Bild von der Richtung seiner Bewegung in den vier Hauptzeiten des Tages, Morgens, Mittags, Abends und um Mitternacht zu verschaffen suchen. Diese Ausdrücke dürfen jedoch nicht so verstanden werden, wie man sie im gewöhnlichen Leben gebraucht. Der Moment, wo die Sonne culminirt oder durch den Meridian des Ortes geht, ist der wahre Mittag desselben; jede der beiden ihn ein- schliessenden Tageszeiten liegt genau 6 Stunden mittlerer Zeit von diesem wahren Miltag des Ortes ab, so wie Mitternacht 12 Stunden.

Es ist schon oben gesagt, dass die Richtung der Bewegung eines Ortes durch die An- gabe zweier Winkel bestimmt werde, von welchem sich der eine auf die Ebene des Hori- zonts, der andere auf die des Meridians beziehe. Der erste ist der Hauptsache nach schon im Vorhergehenden angegeben worden und bedarf nur noch einer Ergänzung, welche durch die geographische Breite des Ortes, oder seinen Winkelabstand von der Ebene des Aequators nöthig gemacht wird. Der zweite, der sich auf die Ebene des Meridians bezieht, und das östliche oder westliche Azimuth des am Himmel zu bestimmenden Punktes bildet, wird sich am anschaulichsten durch folgende Betrachtung klar machen lassen. Im Au- genblick des wahren Mittags eines jeden Tages geht die Ebene des Meridians eines jeden Ortes durch den Mittelpunkt der Sonne. Der Radius vector der Erde fällt also, so weit er in dem Erdkörper liegt, mit dem Erdradius des Ortes zusammen, in dessen Zenith die Sonne steht. An allen übrigen Orten unter demselben Meridian wird die diesen Ort mit dem Sonnen- mittelpunkt verbindende Gerade einen Winkel mit dem Radius der Erde machen, der nach Massgabe des geographischen Abstandes von dem, wo die Sonne im Zenith culminirt, einen stumpfen Winkel bildet, der nach Norden und Süden zu immer mehr abnimmt und erst in der Beleuchtungsgrenze bis zu einem rechten herabgesunken ist. Da aber die Bewegungsrich- tung der ganzen Erde immer rechtwinkelig auf den Radius vector nach Westen hin gerichtet ist, so folgt daraus, dass, da die Tangenten aller Orte unter diesem Meridian mit der am Erd- mittelpunkte gedachten Tangente der Erdbahn parallel sein müssen, sich alle diese in derselben Weise genau nach Westen bewegen wie der Erdmittelpunkt. Da aber der Meridian des Ortes nur zweimal des Jahres beim Durchgang der Erde dqurch den Colur der Solstitien rechtwink-