Aufsatz 
Einige Worte über den Wert der Kommentarien Cäsars vom Gallischen Kriege für die Jugend und die Schule
Entstehung
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ſeine Seele bewegen mochten. Das Land ſelbſt bot reichen Stoff dem Ehrgeize des Eroberers. Die inneren Verhältniſſe des Landes und ſeiner Völker, die ſein Unternehmen begünſtigten, waren ohne Zweifel ihm nicht unbekannt; vor den Schwierigkeiten desſelben bebte ſein Geiſt nicht zurück. Der Anfangspunkt war gegeben, in der Wanderung der Helvetier und in den Verhältniſſen mit Ario⸗ viſt 6). Für den Fortgang und die weitere Entwickelung unbeſorgt, vertraute er den Umſtänden und den Künſten der Römiſchen Politik, die es trefflich verſtand, Krieg aus Krieg zu erzeugen, ſowie bei der Ausführung dem Uebergewicht der Römiſchen Kriegskunſt, den Hülfsmitteln Roms und vor allem ſeinem eigenen Kopfe und der Feſtigkeit ſeines Willens. Die Kriege, die er in Gallien führte, hat er ſelbſt beſchrieben, mit einer Kunſt, die darauf berechnet iſt, das Urtheil der Menſchen nicht minder durch die Art der Darſtellung, als durch den Glanz

6) Ciceros Worte, in der ſchon erwaͤhnten Rede c. XIII. C. Cæsaris longe aliam video fuisse rationem. Non enim sibi solum cum iis, quos iam armatos contra populum Romanum videbat, bellandum esse duxit, sed totam Galliam in nostram ditionem esse redigendam. Iltaque cum acerrimis nationibus et maximis, Germanorum et Helvetiorum, proeliis felicissime decertavit: ceteras conterruit etc. deuten darauf hin, freilich im Sinne der Roͤmiſchen Politik. Die Veranlaſſung des Helvetiſchen Kriegs war indeß zufaͤllig und von Caͤſar raſch ergriffen. Der Krieg mit Arioviſt dagegen war offenbar vorbedacht und ſchon von fern eingeleitet. Man wird ſich hiervon leicht uͤberzeugen, wenn man ſich nur die Thatſachen nach ihrer Folge zuſammenſtellt. Nach b. g. I., 55. fin. erfolgte endlich unter dem Conſulat des M. Meſſala und M. Piſo, alſo 61 vor unſerer Zeitrechnung, ein Decret des Senates zu Gunſten der Aeduer nachdem lange vorher der Druide Divitiacus vergebens Roms Beiſtand gegen die Sequaner und den Germanter Arioviſt geſucht hatte. I., 31 und VI., 12. Das Decret uͤberließ es dem Statthalter in Gallien, nach eignem Urtheile zu han⸗ deln, und nach Umſtaͤnden gegen den Deutſchen Fuͤrſten zu verfahren. Dieſer wandte ſich je⸗ doch, um ſich gegen dasſelbe zu ſichern, im Jahre 59, unter dem Conſulate Caͤſars, nach Rom, wahrſcheinlich durch Vermittelung des damaligen Statthalters, Metellus Celer; we⸗ nigſtens erhielt dieſer nach Plin. H. N. II., 67. von dem Sueviſchen Koͤnige Indiſche Kauf⸗ leute, die an die Deutſche Küſte waren verſchlagen worden, zum Geſchenke. Der Senat aber, oder vielmehr der allein gebietende Conſul ſuchte den Deutſchen Fuͤrſten durch Geſchenke und