Aufsatz 
Die hypothetischen Sätze in der griechischen Sprache, mit besonderer Berücksichtigung der Partikeln an und ken
Entstehung
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liches. Wir können deßhalb der Anſicht Bäumlein's ¹¹¹) nicht beitreten, daß das mit dem Optativ verbundene ν die Setzung, daß ein Subjectives wirklich ſei, bezeichne. Wir bekennen uns vielmehr hier zur Theorie Reiſig's, welcher über die fragliche Verbindung die ſchon früher ²¹½³⁸) mitgetheilte Erklärung abgibt, daß, wenn der bloße Optativ die Möglichkeit eines Dings einfach ausſpreche, der mit y geſetzte Optativ dieſelbe mit mehr Nachdruck und Zuverſicht behaupte ²⁴). In ähnlicher Weiſe erklären ſich Buttmann¹²*), Kühner¹), Enger ²¹³⁹), Feldbauſch 1 ²⁰°), Matthiä ¹²¹), Krüger ¹² ²). Alle dieſe faſſen den mit& verbundenen Optativ als Ausdruck einer bedingten Mög⸗ lichkeit, wenn ſie auch in den anderen beigefügten Erklärungen nicht ganz mit einander übereinſtimmen. So ſchreibt Krüger in ſeiner ſchätzenswerthen Sprachlehre§. 64, 4BDer Optativ mit dy be⸗ zeichnet, daß der Satz als ein möglicher bloß gedacht werde. Noch früher, in der Lehre von den Modi§. 54, 3, 6 ſagt derſelbe:Durch den Optativ mit ày bezeichnet der Redende, daß der aus⸗ geſprochene Satz ſeiner Anſicht nach vorkommenden Falls ſich verwirklichen könne. Bäumlein ſucht gegen unſere Auffaſſung geltend zu machen, daß, wenn zu irgend einem Modus der Ausdruck der Bedingtheit trete, derſelbe nur den Einfluß auf die Ausſage üben könne, daß dieſe immer weiter vom Gebiete objectiver Wirklichkeit weggerückt und dem Gebiete des Subjectiven genähert werde ¹²³). Wir ſind nun natürlich mit dieſer Bemerkung Bäumlein's vollkommen einverſtanden. Wenn er aber die weitere Bemerkung daran knüpft, daß bei der Annahme, à&y bezeichne die Bedingtheit der Aus⸗ ſage, der bloße Optativ ein objectiverer Ausdruck wäre, als der Optativ mit; ſo erlauben wir uns zu entgegnen: Der einfache Optativ iſt offenbar der ſubjectivſte aller ſubjectiven Ausdrücke; denn er ſieht von der Außenwelt, von der objectiven Wirklichkeit gänzlich ab, nimmt nicht die mindeſte Rückſicht auf ſie, er enthält eine reine Vorſtellung des Geiſtes; ſobald aber der Ausdruck der Be⸗ dingtheit hinzutritt, wird dadurch der Gedanke, die Vorſtellung aus ihrer Unmittelbarkeit, ſo zu ſagen, aus ihrer rein geiſtigen Sphäre, aus dem Reiche des rein Gedachten, des bloß Subjectiven hinweg⸗ gerückt und mit den äußeren Verhältniſſen, mit der objectiven Wirklichkeit in engere und nähere Verbindung gebracht, ſo daß alſo der Optativ mit ãy, auch wenn wir d* als Ausdruck der Bedingt⸗ heit faſſen, unſerem Gefühle als die Ausdrucksweiſe erſcheint, die der objectiven Wahrheit weit näher ſteht, denn der bloße Optativ. Daß der Optativ mit y aber bisweilen durch den Indicativ über⸗ ſetzt werden kann, darf uns in keinem Falle zu der Meinung verleiten, der Optativ mit ày bezeichne die Setzung eines Wirklichen. Denn es iſt eine bekannte, beſonders von den Attikern geliebte Eigen⸗ thümlichkeit der griechiſchen Sprache, auch bei feſter Ueberzeugung von dem wirklichen Statthaben eines Dings aus Höflichkeit den Modus der ſubjectiven Annahme ſtatt des der Wirklichkeit zu ſetzen, und wollten wir den griechiſchen Sprachgebrauch in unſerer Sprache genau wiedergeben, ſo dürften wir in dieſen Fällen nie den Indicativ, ſondern wir müßten den Conjunctiv oder den Infinitiv mit den Hülfszeitwörtern können, mögen, dürfen u. ſ. w. anwenden. Was endlich den Infinitiv und das Participium betrifft, ſo wird denſelben& beigefügt, wenn dieſelben bei der Auflöſung in das Verbum finitum bei ſich haben müßten.

114) S. Bäumlein a. a. O. S. 85, S. 288 fſ.

115) Vgl. S. 10 unſerer Abhandlung.

116) Reiſig commentatio de vi et usu ày particulae p. 98 f.

117) Buttmann gr. Gram.§. 139, 3, 4.

118) Ausführliche Grammatik§. 467, 2.

119) S. Elementar⸗Grammatik der gr. Sprache von Dr. Robert Enger§. 81, 4. 120) Gr. Grammatik von F. S. Feldbauſch§. 368.

121) Matthiä a. a. O.§. 514 ff.

122) Krüger in ſeiner gr. Sprachlehre Thl. I, S. 187, 283.

123) S. Bäumlein's Unterſ. S. 54.