hypathetiſchen Sätze in der griechiſchen Sprache, mit beſonderer Berückſichtigung der Partikeln d und 20ν*.
Von Gymnaſiallehrer Dommerque.
En ganz beſondere Berückſichtigung verdienen in der griechiſchen Sprache die hypothetiſchen oder Conditional⸗(Bedingungs⸗) Sätze. Wir wollen ſie darum zum Gegenſtande einer beſondern Ab⸗ handlung für das dießjährige Programm machen, indem wir vorzugsweiſe auf die Schriftſteller Rückſicht nehmen werden, welche an dem hieſigen Gymnaſium geleſen zu werden pflegen.
Da die citirten Stellen aus dem Zuſammenhange geriſſen ſind, ſo werden es uns vielleicht manche Leſer Dank wiſſen, daß wir eine möglichſt wortgetreue Ueberſetzung beigefügt haben. So mögen denn aus der Lectüre unſerer Abhandlung auch Jene Nutzen ſchöpfen, die des Griechiſchen weniger mächtig ſind!
Die Bedingungsſätze zerfallen vor Allem in reine und gemiſchte Bedingungsſätze. Gemiſchte Bedingungsſätze ſind die Conceſſivſätze, ein Theil der Relativſätze, ſowie jene Sätze, welche außer dem Verhältniſſe der Bedingung zu der daraus gezogenen Folgerung zugleich das des Ortes oder der Zeit angeben und durch ei waul, sd zat öGri, s dν rs, dmöre, érar, Ooruν, ômou u. a. einge⸗ leitet werden. 4
Die Conjunctionen, womit die Griechen die reinen Bedingungsſätze einleiten, ſind: el, die durch Verſchmelzung mit dem dynetiſchen ày entſtandenen eãν,, är, ſowie die mit dem epiſch⸗ äoliſchen** oder ²„(doriſch à) zuſammengeſetzten&**(„) und ai„*„).
Statt dieſer Conjunctionen mit der erforderlichen Verbalform kaun, wie in anderen Sprachen, ſo auch in der griechiſchen in dem hypothetiſchen Vorderſatze ein Partizipium geſetzt werden.
Nach dem Obigen iſt«' eigentlich die einzige Partikel, durch welche die hypothetiſchen Sätze eingeleitet werden. Will man nun den Gebrauch und die Bedeutung dieſer wie aller anderen Par⸗ tikeln gründlich erfaſſen, ſo iſt ganz und gar nöthig, auf die Etymologie zu achten, wie ſchon Hartung in der Einleitung zu ſeiner Partikellehre ¹) in ausgezeichneter Weiſe dargethan hat.— Hartung geht von der lateiniſchen Partikel si aus und beweiſt aus der zweifachen Geſtalt der trennenden Präpoſition sine-nesi zunächſt, daß si eine N ebenform von se oder sed iſt²). Dieſes se muß nach ihm ³) in dem Griechiſchen entweder s oder à oder« gelautet haben, wie die Ausdrücke axds- Secus, eiuj-Secus= temere, elnaioc, erög, èraαοο darthun. Da, wo das Wort ſelbſtſtändig auf⸗ treten mußte, hat man naſrich zu der körperhafteſten der drei genannten Formen gegriffen, und ſo
1) Vergl. Lehre von den Partikeln der griechiſchen Sprache von Johan Adam Hattung, I. Theil, S. 51 ff. 2) Val. Hartung a. a. O. II. S. 198, ſowie S. 31 und 76. 3) Vgl. Hartung Partikellehre I. Theil, S. 216.


