1 27. Oktober von allen Unterthanen des Oberamtes Starkenburg huldigen ¹⁷) mit Ausnahme der anfänglich dabei vergeſſenen Dörfer Seckenheim und Viernheim, welche ihre Huldigung den 4. December nachzuholen hatten. Der geächtete, ſeiner Kurwürde für verluſtig erklärte und daher landesflüchtige Pfalzgraf Friedrich V. proteſtierte zwar gegen dieſe Beſitzergreifung, jedoch ohne Erfolg. Er ſtarb den 19. November 1632 zu Mainz drei Tage nach Guſtav Adolfs Tod. Als ſeinem Sohne Karl Ludwig im weſtfäliſchen Frieden 1648 die rheinpfälziſchen Beſitzungen reſtituiert wurden, ſetzte Kurmainz trotz aller Einwendungen der Kurpfalz, welche allerdings noch den Pfandſchilling zu fordern hatte, es ſiegreich durch, daß die Bergſtraße gegen Erlegung des Pfandſchillings in Uſualmoneten bei Kurmainz*⁸) verblieb. Trotzdem verweigerte Kurpfalz die Annahme des von Mainz zu Frankfurt offerierten Pfandſchillings; Mainz ſah ſich genötigt, das Geld zu deponieren.¹*) Erſt 1650 kam ein Vergleich zu Stande. Durch Vermittelung Heſſens und Schwedens wurde in dieſem Jahre der Bergſträßer Vertrag und Receß abgeſchloſſen, in welchem die Pfalz dem Kurfürſten von Mainz gegen Erlegung des Pfandſchillings von 100.000 Gulden die Bergſtraße zurück⸗ erſtattete. Das Amt Schauenberg(Handſchuchsheim, Doſſenheim und Seckenheim) wurde von Kurmainz an Kurpfalz zum Mannlehen gegeben.
So war die Bergſtraße und mit ihr Bensheim wieder dem Erzſtifte Mainz einverleibt. Natürlich wurde jetzt der Kultus der alten Kirche wieder eingeführt. Schon Erzbiſchof und Kurfürſt Johann Schweikard hatte gleich nach der Beſetzung der Bergſtraße durch die Spanier ſich die Wiederherſtellung des alten Kultus angelegen ſein laſſen. Da zur Anſtellung der notwendigen Geiſtlichen die früher vor⸗ handenen Stiftungen fehlten, ſo verſahen vorzugsweiſe Ordensleute zu Bensheim Altardienſt und Seel⸗ ſorge und mußten ſie auch noch nach der Wiederherſtellung der Stiftungen verſehen, da dieſe von den Zeitſtürmen ſo geſchädigt waren, daß ſie zur Anſtellung der notwendigen, geſchweige denn der ehemaligen Prieſterzahl nicht mehr ausreichten. Zur Wiederherſtellung dieſer kirchlichen Stiftungen war aber vor Allem die Aufhebung der Heppenheimer Kollektur erforderlich, daher
„Ergangener Churfürſtl. Befelch
Ahn Herrn Burggrafen Johann Eberhard, Freiherrn von der Leyen und Johann Mackard, Kellern zu Starckenburg.
Anſelm Frantz von Gottes Gnaden ꝛc. Wohlgebohrene, Liebe, Getreue. Wir mögen Euch nit verhalten, wie daß gleich von Anfang Unßerer angetrettener Churfürſtlichen Regierung Unß allerhand Klagen vorkommen, alß ob die nach eingeriſſener Religionsſpaltung bey dermahliger Churpfälziſcher oppigneratio in Unßeren Bergſträßiſchen Landen eingeführte Collectur nit wohl länger beſtehen mögte und daß durch ſolche nit allein alle künftigen fundationes verhindert würden, ſondern auch die vorhin ſowohl zu des Allerhöchſten Ehren alß deren Abgeſtorbenen zu Troſt geſtifft worden, in gäntzlichen Abgang gerathen und dann Wir ſelbſten wahrgenohmen, daß bey dieſer Collectur in gedachten Unßeren Bergſträßiſchen Landen ſowohl die Kirchgebäue als Altarien⸗Paramenta und anderes in weit ſchlechteren Stand alß an anderen Orthen, wo dergleichen Collectur nit eingeführt, ſich befinden thuen, und daherr Wir ſowohl um deßwillen
¹z) In Bensheim leiſteten 334, in Lorſch 124, in Klein⸗Hauſen 26, in Biblis 81, in Bürſtadt 66, in Heppenheim 204 Bürger dem Mainzer Kurfürſten Huldigung. Dahl, Urk. S. 57, Geſchichte des ehemal. Kloſters Lorſch von Val. Al. Franz Falk S. 111.
¹) Artikel 4,§. 7 des weſtfäliſchen Friedens beſtimmte hierüber:„Cum autem certae quaedam praefecturae Stratae montanae antiquitus ad Electorem Moguntinensem pertinentes anno demum 1463 certa pecuniae summa Palatinis cum pacto perpetuae reluitionis oppigneratae fuerint, ideo conventum est, ut hae pracfecturae penes modernum Dominum Electorem Moguntinensem eiusque in archiepiscopatu Moguntinensi successores permaneant, dummodo idem in specie pretium oppignerationis sponte oblatum intra terminum exsecutioni conclusae pacis praefixum parata pecunia exsolvat ceterisque, ad quae iuxta tenorem literarum oppignerationis tenetur, satisfaciat“. Histo- rica relatio de pacificatione Osnaburgo-Monasteriensi von J. G. de Meiern 1707, tom. IV pag. 359.
¹) v. Meiern, tom. IV p. 72.
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