was ſie durch Knarren anzeigt.“ 19 aridas frondes hiemis sodali dedicet Hebro]„dem Kameraden des Sturmes, nämlich des jetzt wehenden Thracierwindes, der ihre bitteren Empfindungen erregt.“ Ich dächte, was ſie verbittert, kommt doch in der Ode deutlich genug zum Ausdruck: Das Ausbleiben der Liebhaber. 27, 19 quanta laborabas Charybdi. Hier ſoll der bloße Abl. ſtatt in ſtehen,„weil das Mädchen ja keine Char. iſt, ſondern einer ſolchen(ihrer Habſucht wegen) gleicht.“ 32, 2 carmen, quod et hunc in annum vivat et plures]„Solche griechiſche Liedchen hatten nur ein kurzes, nach Jahren zählendes Leben. Ein latein. Lied war unſterblich wie das Reich.“ Und einen ſolchen Gedanken ſchiebt man dem Dichter unter, der IV 9, 6 ff. geſchrieben hat, in dem die Werke der griechiſchen Lyriker nach 6 Jahrhunderten noch ſo lebendig waren! II 1, 9 ſoll die Tragödie severa genannt ſein„weil die Helden der Tragödie nicht liebenswürdige, ſondern rückſichtsloſe Naturen ſind.“ 37 ne retractes munera C. neniae:„Das Lied von den Bürgerkriegen mußte notwendigerweiſe ein eintöniger Klagegeſang mit vielen Wiederholungen werden.“ 9, 1 Non s, imbres n. hispidos manant in agros]„hisp. ſtruppig, von den Stoppelfeldern, welche ſo ihre Trauer kundgeben.“ 11, 21 wird Lyde aufgefordert, ihre elfenbeinerne Leier mitzubringen. Dazu R.:„Ihr(der Buhlerin) Wert erhöht ſich, da ſie eine ſeltene, ſonſt nur bei Feſtzügen übliche Lyra beſitzt.“ 13, 24 heißt es von Sappho, ſie klage in der Unterwelt Aeoliis fidibus. Dazu muß man die Anmerkung in Kauf nehmen:„Auch das Saiten⸗ inſtrument kann mit einer leichten Enallage äoliſch genannt werden, weil es in den äoliſchen Kolonien in eigenartiger Weiſe gehandhabt wurde.“ 34 illis carmin. stupens demittit aures belua]„Bei dem Hunde zeigt ſich die Wirkung der Muſik darin, daß er einſchläft.“ 15, 4 platan. caelebs]„Die praktiſchen Römer verſchmähten die Platanen für die Rebenkultur, weil ihr dichtes Blätterdach dem Gedeihen(!) des Weines zu viel Sonne entzogen hätte.“ Vielleicht rühmt ein Nordländer auch einmal von uns: Die praktiſchen Deutſchen verſchmähen die Nordhänge für die Rebkultur etc. 16, 1 in patenti Aegaeo]„Auf der Höhe des Ag. Meeres. Dieſe Bedeutung liegt in der Voranſtellung des Adj. Denn an und für ſich kann das Ag. Meer nicht offen genannt werden, weil es mit Inſeln bedeckt iſt.“ Steuert das Schiff, das einen griechiſchen Hafen verläßt, nicht ins offne Meer hinaus? Eigenartig iſt auch die Auffaſſung von 20, 9. Horaz ſchildert bildlich ſeine Verwandlung in einen Schwan. Nachdem R. in ſeiner Weiſe den Gedanken ſo umſchrieben hat:„Ich werde auf einem Ruhmesfittich die Welt durchziehen,“ fährt er fort:(residunt cruribus asp. pelles)„denn Wanderſchuhe ſind für die Reiſe vor allem nötig.“ Zum Schluſſe noch R.s Erklärung von Ep. 16, 34. Neben mancherlei andern Unmöglichkeiten erwähnt H. den Fall(quando) amet salsa levis hircus aequora. Kießling erklärt richtig: Der Bock ſoll nicht nur im Meere wohnen, ſondern auch ſeine Struppigkeit ablegen; und ebenſo richtig überſetzte ſchon Binder: Wenn zottenlos der Bock die Salzflut liebgewinnt. Was macht R. daraus?„levis hircus ein glatter, weil der hirc. doch nie glatt iſt; glatt geworden durch den langen Aufenthalt im Waſſer.“
Doch genug. Das Roſenberg'ſche Buch kann als warnendes Exempel zeigen, wohin es führt, wenn jemand, aller Selbſterkenntnis bar, den Horaz zu interpretieren ſich vermißt, obwohl ihm nicht weniger als alles dazu fehlt; wenn er gar, wie die Flüchtigkeit der Arbeit beweiſt, nur die Hälfte ſeines Geiſtes dazu nötig zu haben glaubt. Seit Samuel Gotthold Lange hat ſich ſo niemand an Horaz verſündigt wie Roſenberg. Aber für Lange iſt der Umſtand einigermaßen entſchuldigend, daß er nicht Fachmann war und all der Vorarbeiten und Hilfsmittel entbehrte, die uns heute in ſo un⸗ geheurer Zahl zur Verfügung ſtehen. Und doch hat den Laublinger Paſtor Leſſings unbarmherziger Witz dem Spott der Jahrhunderte preisgegeben; dem Hirſchberger Profeſſor hat weitgehendes Wohl⸗ wollen oder unbegreifliche Verblendung der modernen Kritiker zu einem namhaften äußerlichen Erfolg verholfen. Habent sua fata libelli.


