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Wohllaut eingebüßt habe, kann ich nicht finden; ſo klingt en Piräi gewiß nicht ſchlechter als das breite en Pairaiai oder, wie man vielfach zu ſprechen beliebt, Pejraiej. Natürlich hat die Sprache auch eine Menge Neubildungen aufgenommen, die es dem ſchulgerechten Philologen nahezu unmöglich machen, der Unterredung zweier Neugriechen zu folgen. Um ſo mehr heimeln uns dann wieder Wörter an, die in Sprache und Schrift keine merkliche Veränderung erlitten haben. Wenn der Kellner eine Beſtellung mit pd³ita, uäkulora(jawohl!) quittiert, ſo klingt das Wort noch genau ſo wie vor 2000 Jahren. Geradezu kindlich iſt es übrigens, wenn ein deutſcher Profeſſor in einem heimiſchen Blatt ſich darüber aufhält, daß atheniſche Studenten bei einer Aufführung der Antigone ſich ihres modernen Idioms bedienten. Dieſe Auffaſſung ſteht auf derſelben Höhe wie ſeine Behauptung, er habe während der ganzen Vorſtellung zum Schutz vor Dieben ſeine Taſchen zuhalten müſſen.
Unbeſtritten ſind die Griechen das geiſtig regſamſte Volk des Orients, und ihre geiſtige und geſchäftliche Überlegenheit tritt in allen Küſtenplätzen des öſtlichen Mittelmeeres deutlich zu Tage. Gegen dieſe Eigenſchaften richtet ſich auch gelegentlich der Haß der Eingeborenen, der ſich gerade damals in den von Bulgaren verübten Brutalitäten Luft machte. Bei ihrem großen geſchäftlichen Talent fallen einzelne Mängel doppelt auf, ſo das Fehlen von Fahrplänen. Einmal war es uns unmöglich einen Ausflug für den andern Tag zu verabreden, da in dem ganzen großen Reſtaurant kein 69okorstoy erhältlich war. Daß die griechiſchen Dampferlinien meiſt einer feſten Taxe entbehren, liegt mehr an dem Tarif⸗ krieg, den ſie mit einander führen. Die Poſtverbindung„mit Europa“ läßt zu wünſchen übrig; ein Brief in die Heimat braucht reichlich 8 Tage.
Auf den Straßen geht es meiſt recht geräuſchvoll her. Dafür ſorgen ſchon die Obſt⸗, Gemüſe⸗ und Zeitungsverkäufer, die ihre OraAꝓ† λμαα, 5xa ꝛc. vom früheſten Morgen an in allen Tonarten ausrufen. Die Plätze vor den Kaffeehäuſern ſind meiſt ſtark beſetzt, und die Stiefelputzer(à05 SO0) kaum weniger zahlreich als in Konſtantinopel. Mir ſchien, als ob ſie einen guten Teil ihrer Einnahmen ſofort wieder in Zigaretten verpafften.*) Seltſam wirkt der Contraſt, wenn ſich ein Leichenzug durch das Menſchengewühl bewegt; nach Landesſitte werden nämlich die Leichen im offenen Sarge jedem ſichtbar durch die Straßen gefahren. Sehr groß iſt natürlich auch die Zahl derer, die von den Fremden etwas verdienen wollen, und eine Auskunft über den Weg u. ä.
⁴) Zigarren ſind im Orient nahezu unbekannt.


