Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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(großenteils antiken) Leitung iſt als typhusdrohend gerade Fremden nicht anzuraten. Ich hatte auch Gelegenheit, die Urſache ſeiner Gefährlichkeit kennen zu lernen: nach einem ſtarken Gewitter floß nicht nur der Ilyſſus gelbrot dasſelbe Flüßchen, deſſen Bett ich tags zuvor ſtaubtrocken geſehen hatte, riß damals die Pferdebahnbrücke nahe dem Meere glatt weg ſondern auch das Waſſer der Leitung, ein Beweis für die mangelhafte Faſſung der Quellen. Uebrigens fließt die ſtädtiſche Leitung täglich nur eine Stunde; während dieſer wird das in jedem Hauſe befindliche Reſervoir gefüllt, und die Bewohner müſſen ſehen, wie ſie damit auskommen. Das aus der Umgegend zum Verkauf gebrachte Waſſer wird natürlich auch in den poröſen Tonkrügen bald warm. Einheimiſches Bier(6590»6m«) iſt gut, beſ. das aus der Brauerei Klonaridis, aber, friſch vom Eis, dem nordiſchen Magen nicht ungefährlich. Einigermaßen begierig war ich auf den rezinierten(mit Kiefernharz vergorenen) Wein,5αQε mrotro, über den ich die widerſprechendſten Urteile geleſen hatte. Der erſte Verſuch war nicht ermutigend; er ſchmeckte mir etwa wie ein Gemiſch von Tinte und Terpentinöl, dem man etwas Eiſenvitriol zuſetzt. Beim zweiten und dritten Mal gings ſchon eher, und ich glaube der übereinſtimmenden Verſicherung aller dort lebenden Deutſchen, daß man ſich an das unzweifelhaft geſunde Getränk bald gewöhne und es den nach europäiſcher Art behandelten Weinen (z. B. des Hauſes Solon) bei weitem vorziehe. Ein wohlſchmeckendes und bekömmliches Getränk fand ich in dem(ſtark mit Waſſer verdünnten) Maſtix⸗Schnaps(uaoοi*να), der entfernt an Abſinth erinnert, aber weit feiner und aromatiſcher iſt. Jedenfalls kann Griechenland ſeine weſttliche Nachbarhalbinſel um zwei Dinge beneiden: um ihren Wein und ihr Waſſer. Eine einzige Fontäne in Rom,der waſſerreichſten Stadt der Welt (BGiktor Hehn), ſprudelt vielleicht mehr des edlen Naß, als alle Waſſerläufe Attikas zuſammen im Hochſommer führen. Das war nicht immer ſo; denn wenn auch das Klima Griechenlands ſeit 2000 Jahren keine erhebliche Verſchiebung erfahren hat, ſo mußte doch die fortwährende Abholzung der Wälder ſehr ungünſtig wirken. Manche der im Altertum berühmten Quellen ſind heute verſiegt. Die Vegetation iſt natürlich den Verhältniſſen angepaßt. Rebe und Olbaum bedürfen wenig Feuchtigkeit; Oleander wachſen allenthalben wild; die Agave(a†ao¹) iſt trotz ihres griechiſchen Namens ein aus Mexiko hierher verpflanzter Fremdling, hat aber längſt Bürgerrecht gewonnen, wächſt überall verwildert auf Schutthaufen und Eiſenbahndämmen und gehört heute zu den charakteriſtiſchen Pflanzen der