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zweifelt. Allein man hielt den Reim für eine Erfindung jener Zeit und leugnete ſein Vorkommen— d. h. ſeine bewußte Anwendung— in der Poeſie des klaſſiſchen Altertums. Es iſt an ſich nicht wahrſcheinlich, daß eine Sprache in der Periode ihres Niedergangs eine ſo hervorragende ſprachliche Erſcheinung aus ſich heraus geſchaffen haben ſoll. Dieſe Erwägung allein mußte ſchon die Vermutung nahe legen, ob nicht vielleicht die Anfänge dieſer Dichtungsform in eine ältere Sprachperiode, in die der klaſſiſchen Latinität, hinaufreichten. Und daß dies in der That der Fall iſt, hat Wilhelm Grimm gezeigt im zweiten Teil ſeiner Schrift:„Zur Geſchichte des Reims“(Abhandlungen der Berliner Akad. d. Wiſſ. 1851 S. 521 ff.).
Grimm beginnt mit LQucrez und weiſt bei ihm das Vorkommen des leoniniſchen Reims) in
ausgedehntem Maße nach(S. 627 ff.). So in der Penthemimeres: 1,179 tuto res tener as effert in luminis or as? 211 quae nos fecund as vertentes vomere glebas 5,1302 inde boves luc as turrito corpore, tetr as, anguimanus, belli docuerunt volnera Poeni sufferre et magn as Martis turbare caterv a s. Nicht minder häufig in der Hephthemimeres: 1,125 commemorat speciem lacrim as effundere sals as. 823 quin etiam passim nostr is in versibus ipsis multa elementa vides mult is communia verbis. Daneben finden ſich Anhäufungen der Reimſilben wie: 1,800 posse eadem demptis paucis paucisque tributis. 4,517 prava cubantia prona supina atque absona tecta.
Seltener ſind Fälle zweiſilbigen Mittelreims:
1,318 saepe salut antum tactu praeterqune me antum. 2,475 est ratio secernendi seorsumque vid endi. 5,1369 cernebant indulg en do blandeque colendo.
Freilich liegt bei einer derartigen Zuſammenſtellung ſtets die Gefahr nahe, auch Fälle eines zufälligen Gleichklangs für beabſichtigt zu halten, und auch Grimm iſt ohne Zweifel zuweilen in dieſen Fehler verfallen. So iſt der eigentliche Platz für den leoniniſchen Mittelreim der dritte und vierte Versfuß, bedenklich dagegen iſt es, ihn auch im zweiten und fünften Fuße anzunehmen, wie das Grimm gethan hat, z. B.:
2,353 turicrem a’s propter mactatus concidit ar as. 5,347 causa, darent late cladem magn a sque ruin as.
Unbedingt verwerflich ſcheint die Annahme im erſten Fuß, wofür Grimm Ein Beiſpiel anführt: 6,549 tect a, viam propter, non magno pondere tot a.
Denn ſobald die erſte der gleichklingenden Silben allzu weit von der Versmitte ſich entfernt, hört die rhythmiſche Reſponſion auf und der Gleichklang wird nicht mehr als Reim empfunden.— Ebenſo wenig wird man Grimm beipflichten können in der Annahme des„Binnenreims“ in Verſen wie:
5,867 omni a sunt hominum tutelae tradit a, Memmi.
Wo, wie hier, die gleichklingenden Silben jeder Stütze entbehren, die ſonſt eine betonte Versſtelle zu verleihen vermag, da kann die lautliche Uebereinſtimmung nicht mehr als Gleichklang zum Bewußtſein kommen.
Es ſei an dieſer Stelle geſtattet, ein Wort über die Benennungen der verſchiedenen Reimarten einzu⸗ flechten. Was in den Schriften der Alten von Namen für alle Gattungen des Gleichklangs ſich findet, iſt ſorgfältig geſammelt von L. Buchhold im Eingang ſeiner Schrift: De paromocoseos(adlitterationis) apud veteres Romanorum poetas usu, Lips. 1883.
*) Im ſog. leoniniſchen Hexameter und Pentameter reimt eine durch Hauptcäſur hervorgehobene Mittelſilbe mit dem Versende. Auf welchen„Leo“ der Name zurückzuführen iſt, läßt ſich nicht erweiſen. Manche denken an Papſt Leo II.(?).


