Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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ihm ein Ehrendenkmal errichten, das gute Entſchließungen in den Herzen der Betrachtenden wecken kann. Inzwiſchen wollte ich ſein Lehrerbild mit Worten moglichſt treu entfalten.

Und wozu habe ich dies Gemälde vor euch aufgerollt? Wer es aufmerkſam be⸗ trachtet, dem wird Manches klar im Geiſte und warm im Herzen werden; klar z. B., daß Talent nur im Verein mit Fleiß und Ausdauer, Naturgabe nur gepaart mit Kunſt bildung zum Großen und Vollendeten führen; daß mehr als Geburt und Reichthum Weisheit und Tugend empfehlen, daß Werke der Liebe und des Geiſtes die bleibendſten Ehrendenkmale ſind, daß wem es gelungen, den Samen des ewig Guten, Wahren und Schönen auf ein empfängliches Feld zu ſtreuen, geiſtig nicht ſtirbt, wenn auch ſein Leib zerfällt, ſondern fortlebt in kommenden Geſchlechtern. Wärmer wird beim Beſchauen ei⸗ nes ſolchen Lebens auch die Liebe und Verehrung zu dem Verſtorbenen werden, und die Liebe wird ſpornen, ihm ähnlich zu werden, und die Verehrung, ihn durch Nacheiferung zu ehren. Drum nur redlich gewollt und rüſtig geſtrebt! So wird ſein geiſtiges Auge ſegnend auf uns niederblicken und er und wir dereinſt die Seligkeit empfinden, daß kein Glied der Herde, die ihm zu weiden vertraut war, ſich verloren von den rechten Pfaden, ſondern daß alle ſich wieder zuſammengefunden in den Wohnungen des himmliſchen Va⸗ ters um den, der einſt ihr guter Hirte war. Mir aber, den unſere Staatsregierung des Vertrauens gewürdigt hat, daß ich in nächſter Zeit an des Geſchiedenen Stelle walte, wolle Gott die rechte Kraft dazu verleihen und meinem beſten Willen ein glück⸗ liches Vollbringen geben!'

Zuletzt gab der Primus von Prima, K. Reh aus Darmſtadt, im Sinn und Geiſt ſeiner ſämmtlichen Commilitonen, der letzten Schüler Dilthey's, ſeinen Gefühlen der Weh⸗ muth, Verehrung und Dankbarkeit für ihren treuen Lehrer einen herzlichen Ausdruck und endete mit den von Dilthey oft wiederholten Worten aus Tacitus:Weg mit ſchwach⸗ müthigem Trauern und weibiſchen Klagen zur Betrachtung deiner Tugenden, um die man nicht weinen, noch jammern ſoll. Wir wollen vielmehr durch unſere Bewun⸗ derung und, wenn unſere Kraft zureicht, durch Aehnlichkeit dich ehren. Das iſt die rechte Ehrenbezeigung, das ein Liebeszeichen der innigſten Verbindung. Ein kirchlicher Geſang ſchloß die Feier. Wenn nicht Alles täuſcht, ſo hat ſie in den Gemüthern der Verſammelten ein gutes Saatkorn zurückgelaſſen.

Infolge höchſter Verfügung Großh. Miniſteriums vom 3. März wurde dem Profeſſor Dr. Wagner die proviſoriſche Verſehung der Directorialgeſchäfte übertragen, welche mit Dilthey's Ende auf den älteſten Collegen, Hofr. Dr. Lauteſchläger, übergegangen waren.

Das neueſte Ereigniß iſt ein neuer Trauerfall. Am 20. März ſtarb nämlich Dr. Georg Auguſt Lerch, unſer Amtsgenoſſe als Lehrer der Deſcriptivgeometrie und im techniſchen Zeichnen, der als Geh. Ober⸗Baurath am 14. Februar 1856 in Ruhe⸗ ſtand verſetzt den ihm am 6. December 1835 überwieſenen Unterricht am Gymnaſium fortwährend mit jugendlicher Friſche und ſichtbarem Erfolge zuletzt an 38 Schüler der 4 oberſten Claſſen ertheilte. Geboren in Darmſtadt am 11. Auguſt 1792 hatte er ſich durch Talent und Thätigkeit von einer Ehrenſtufe zur andern emporgearbeitet und ward nun als rüſtiger Greis plötzlich, ohne erkrankt zu ſein, dem irdiſchen Leben von höherer Hand entrückt, wie von den ſanften Geſchoſſen Apollons getroffen. Die Lehrer und Schüler des Gymnaſiums gaben ſeiner Leiche am 23. März das Ehrengeleite, und Gymnaſiallehrer Dr. Lucius ſprach über ſeinem Grabe nach Worten verdienter Aner⸗ kennung für den Verſtorbenen und nach ernſten Betrachtungen Gebet und Segen.

So hat dies eine Jahr unſerem lange Zeit faſt unveränderten Lehrkörper eine ſtarke, fünffache Umwandlung an Haupt und Gliedern gebracht und an das homeriſche Gleichniß von den Blättern im Walde und den Geſchlechtern der Menſchen erinnert. Möge die Erneuerung der Anſtalt zum Segen gereichen!.

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