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unter Dilthey's Augen ablegten. Allen dieſen neuen Arbeitern wußte er das rechte Feld, die ihrer Natur angemeſſene Sphäre anzuweiſen, und war eifrigſt bedacht und trefflich geſchickt, ihnen vorzuleuchten als gewiſſenhafter ausgezeichneter Lehrer.
Was er als ſolcher Großes geleiſtet, koͤnnten euch, ihr Primaner, wenn ihr es nicht ſelbſt erfahren hättet, aus dankerfülltem Herzen jetzt gar viele Männer ſagen, die nun ſchon in allen Facultäten akademiſche Lehrſtühle mit Ehre innehaben, gar viele Räthe ſagen, die nun in unſern hohen Collegien Stimm' und Entſcheidung haben, gar Viele aus allen Ständen ſagen, die ihm ein gutes Stück ihrer Geiſtes⸗ bildung verdanken. Ich weiß Herzen, die an der Donau ¹) und am Rhein ²), an dem Genfer See ³), an der Themſe ¹⁴) und in Ehriſtiania 5) mit warmen Pulſen für ihren alten Lehrer ſchlagen. Wollt' ich euch, Primaner, ſeine Lehrkraft des Weiteren ſchildern, das hieße Eulen nach Athen tragen; ihr habt ſie ſelbſt empfunden an dem Wachsthum eurer Erkenntniß, an der ſteigenden Liebe und Begeiſterung für die Wiſſenſchaft, an der Läuterung eures Geſchmackes, ihr habt ſelbſt erfahren, wie er bei umfaſſender Sprach⸗ und Sachkenntniß, bei ſeiner innigen Vertrautheit mit ſeinem Lehrgegenſtande, bei ſchnellem Blick und feinem Urtheil ſtets das Treffendſte und Beſte bot, wie er zum Eifer anzu⸗ regen wußte und in ſeinem abgerundeten ſicheren Vortrag zugleich ein treffliches Muſter der Beredſamkeit war. Das Alles fühlt ihr ſelbſt wärmer, als es mein Wort auszu⸗ drücken vermöchte, eine Stunde ſeines Unterrichts ſpricht beredter für ihn, als eine lange Rede. Nur an ein Verdienſt will ich noch erinnern. Die Einrichtung der Preis⸗Fragen und Arbeiten, die im rechten Maß und Gleis gehalten, ohne die allgemeinen nothwen⸗ digen Schularbeiten zu beeinträchtigen, ein mächtiger Hebel zur Steigerung eines wiſſen⸗ ſchaftlichen Wetteifers, eine gute Gewöhnung zur Ausdauer und zur Richtung des Fleißes auf einen beſonderen Punkt, ein gutes Mittel zur Aneignung von Kenntniſſen und Ein— ſichten in einem beſonderen Fach werden können, ſind ſeine Schöpfung, und mit welcher vielſeitigen Gelehrſamkeit, Feinheit, Humanität er die Urtheile über die eingelaufenen Ar⸗ beiten auf dem Actus entwickelte, deß ſind wir oftmals Zeugen geweſen.
Dilthey hielt die Literatur der beiden großen Culturvölker des Alterthums für die ſolideſte Grundlage zu einer idealen univerſalen Bildung. Aber das Alterthum mit aller ſeiner Poeſie und Tüchtigkeit dünkte ihm nicht ein Paradies, in dem der Menſch nur heimiſch zu werden brauche, um glücklich und zu allem vorgebildet zu ſein; es war ihm nie Zweck, nur das trefflichſte Mittel, die geiſtige Begabung des Menſchen glücklich zu entbinden, zu nähren und zu ſteigern; er verſenkte und verlor ſich nicht in ihm, er hielt ſich ſtets die Rückkehr und Einkehr in ſeine Zeit offen, deren Aufſchlüſſe im Reiche der Natur er begierig erfaſſte; die altelaſſiſchen Studien galten ihm nur für eine bewährte Ringſchule, aus der geiſtig gekräftigt, geſchmeidigt und allſeitig befähigt der Jüngling zum Berufsſtudium und ins höhere geiſtige Leben übertreten könne; es war ihm das Alter⸗ thum nur die in jugendlicher Schöne prangende heitre Vorhalle zum tief ernſten Tempel des Chriſtenthums, ſeine Schüler ſollten um ſo mehr mit erweitertem Blick brauchbare Bürger der Gegenwart, tüchtige Glieder des Volkes, erleuchtete und von der Göttlichkeit ihrer Religion durchdrungene Chriſten werden.
Die Pietät ſeiner Schüler, die in letzter Zeit unmittelbar den Erguß ſeines gei⸗ ſtigen Lebens in ſich aufzunehmen ſo glücklich waren, haben den ſchönen Plan gefaſſt, durch ein ſichtbares Abbild ſeines Antlitzes auf den Geiſt, der in ihm lebte, hinzuweiſen, ein neues Ahnenbild in dieſen Saal zu ſtiften, wie im Atrium erlauchter römiſcher Häuſer die Heroen einer ruhmvollen Vergangenheit zuſammenſtanden. Damit werden ſie ſich und
) K. K. Hof⸗ und Miniſterialrath Ludwig Ritter v. Biegeleben, Dr. Karl Reichel in Wien.— ¹²) Geh. Juſtizrath Profeſſor Dr. Sell in Bonn, Dr. Möller in Oppenheim, Dr. Knispel in Worms.— ¹) Profeſſor Hermann Wiener und A. Soldan in Lauſanne.— ¹) Pfarrer Dr. L. Cappel in London.— ³) Profeſſor Dr. Adolf Strecker.


