Aufsatz 
Ueber die Natur der Eigennamen / Karl Dilthey
Entstehung
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tiſchen Großvezier beſſer bezeichnen, als dieſer Auguſtus der Hebräer, ein wahrer Mehrer des Reichs, da von ihm allein unter allen ſeinen Brüdern zwei Stämme, Ephraim und Manaſſe, ausgehen. Auch ſein Name hat viele Verſtümmelungen erlitten, wie Sepp, ſchweiz. Seppi, öſterreich. Sepperl, wogegen Seip und Seipel wahrſcheinlich abgekürzt ſind aus Sigibold, Siebold. Moſes(hebr. wahrſch. qui extraxit, der Herauszieher aus Noth und Gefahr, oder qui duxit Heerführer, nach ägypt. Deutung ex aqua extractus), Aaron(lucidus, Lucius), Joſua(salus), Samuel(quem exaudivit Deus), kommen hier weniger in Betracht. Aus der Zeit der Suffeten mag hier nur Gideon erwähnt werden, dem zu Ehren der Ruf ertönte: Hie Gideon und Schwert des Herrn, und der den Ehrentitel trug Jerubbaal, Bekämpfer des Baal. Denn immerhin iſt es merkwürdig, daß über tauſend Jahre ſpäter derſelbe Name noch in gräciſirter Form einen römiſchen Soldaten aus dem Volke der Ituräer bezeichnet, der als Hierombalus Monimi filius in Zahlbach begraben liegt.

Je mehr wir in das Gebiet des rein Geſchichtlichen übertreten, deſto mehr verliert ſich zwar das perſönlich Bedeutſame in den Namen, die aus freien, das Weſen bezeich⸗ nenden Produkten der Erfindung oder mythiſchen Dichtung zu willkürlichen Kennzeichen werden, gleich nach der Geburt ein für allemal dem Menſchen auf ſeine Lebensdauer angeheftet. Doch würde man ſehr irren, wenn man dieſe Umwandlung für eine plötz⸗ liche und beſtändige halten wollte, vielmehr hat die Ertheilung bedeutſamer, den perſön⸗ lichen Thaten und Verdienſten entſprechender Namen wenigſtens in einzelnen Fällen durch alle Jahrhunderte fortgedauert, wie ſchon das Beiſpiel des Auguſtus beweiſen kann. Zwar wo beſtimmtere Nachrichten fehlen, ſind wir meiſtens außer Stande, zu beurtheilen, wie weit Abſicht oder Zufall dabei gewaltet haben, aber ſelbſt der Zufall wird unſere Beachtung verdienen, wenn er Namen und Weſen in überraſchendem Einklang darſtellend, das nomen et omen habet verwirklicht, und wer mag berechnen, wie oft ein Name dazu mitwirkte, das, was er nach ſeinem ſprachlichen Sinne beſagte, wirklich aus ſeinem Inhaber herauszubilden und alſo den ſcheinbaren Zufall in eine folgenreiche Fügung des Schickſals umzugeſtalten? In ſo fern mögen wir trotz Ewalds Widerſpruch es immer⸗ hin bedeutſam ſinden, daß Saul(Desiderius) der vom Volk Begehrte, David(dilectus, amabilis, Fem. Dido) der Geliebte heißt, von welchem letzteren noch Daudt oder Dauth geblieben iſt, ähnlich dem Daud Paſcha der Türken. Den ſchönſten Namen trägt Salo⸗ mon(pacificus, Irenäus, Friedrich, Manfred), der in der uralten Bergfriede Salem oder Jeruſalem(locus pacis) die Herrlichkeit des Tempels gründet, deren himmliſcher Friede ſelbſt noch in dem Islam und den Moslemim(mundrecht Muſelmänner) ſeinen ſprachlichen Abglanz findet. Ja ſelbſt die Ironie des Zufalls ſpielt hier, wie überall im Leben, ihre Rolle, und der lucus a non lucendo, der doctor philosophiac a non docendo et non philosophando ſteht ſchon leibhaftig vor uns in Rehabeam(qui dilatavit populum), und Jerobeam(qui multiplicavit populum), wahren Muſtern und Vorbildern der oben erwähnten allezeit Mehrer des Reichs. Aus der Königsreihe von Juda und Iſrael hat beſonders Jojakim(quem Jehova constituit) Beifall gefunden in der Nachbildung Joachim, verkürzt Jochim, Jochem, Achim, mundrecht gemacht Jochheim, latiniſirt Jochmus. Unter den Königinnen hat Iſabel(fr. Isabeau, durch bel und beau veranlaſſt, latiniſirt Iſabella) doch nur ein zweideutiges Glück ge⸗ macht, und der alte Makel iſt wenigſtens an ihrem Teint haften geblieben, den der Volkswitz iſabellfarben nannte. Ihr gegenüber ſteht Judith, die ächte Jüdin als Heldenjungfrau; doch hat ſie die Beliebtheit ihres ſelbſt auf chriſtliche Männer übertra⸗ genen Namens vielleicht nur der Verwechſelung mit der altdeutſchen oder für altdeutſch gehaltenen Jutta zu verdanken. Von den Propbeten der Königszeit leben noch unter uns Nathan(quem dedit se. Deus), alſo Theodoros, Theodotos, Adeodatus und