Aufsatz 
Jean Baptiste Rousseau : eine literarische Skizze / von Dillmann
Entstehung
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Obſchon obne alles dramatiſche Talent, veranlaßten ihn doch dieſer Stolz und das Streben nach dem Ruhme eines Molidre ſchon frühzeitig, ſein erſtes Stückle café auf die Bühne zu bringen. Da dasſelbe aber nicht den geringſten Erfolg hatte, ſo entſagte er einige Zeit dieſer Thätigkeit und arbeitete für die Oper, jedoch auch hier mit ebenſo wenig Glück. Nun wagte er ſich zum zweiten Mal auf die Bühne und zwar mit einem Luſtſpielle flatteur, einem Stücke, das ohne alle Handlung und Intrigue und ohne Einheit im Character der Hauptperſon war; deß⸗ halb theilte es auch gleiches Schickſal mit ſeinen früheren. Ebenſo erging es dem einige Jahre ſpäter aufgeführten Luſtſpielle capricieux und Rouſſeau hätte daraus die Ueberzeugung ge⸗ winnen können, daß dies nicht die Laufbahn war, auf die ihn ſein Genie rief. Aber ſein Ehr⸗ geiz und ſeine Eigenliebe ließen dieſen Gedanken nicht in ihm aufkommen, ſondern erzürnten ihn nur gegen die, welche ſeine Werke ſchlecht beurtheilt hatten. Einige in dieſer Stimmung ge⸗ ſchriebene Epigramme, voll bitterer Verläumdung gegen Lamotte, ſeinen Hauptnebenbuhler, und eine Anzahl angeſehener Perſonen, verwickelten ihn in einen unangenehmen Proceß. Um die dro⸗ hende Gefahr von ſich abzuwenden und zugleich einen ſeiner Feinde zu verderben, beſtach er einen Schuhflicker, damit er gerichtlich ausſagte, er hätte die Verſe von Saurin, einem Freunde La⸗ motte's erhalten, um ſie zum Verkauf herumzutragen. Dieſe Beſtechung wurde ihm erwieſen und er in Folge deſſen zu lebenslänglicher Verbannung verurtheilt. Anfangs lebte er in der Schweiz, bis ihn der Prinz Eugen nach Wien rief. Nachdem er ſich auch deſſen Gunſt durch einige ſati⸗ riſche Lieder verſcherzt hatte, zog er ſich nach Brüſſel zurück. Aber auch dahin verfolgte ihn ſein Unſtern, indem er es bald mit dem Herzog von Aremberg, der ihn aufgenommen und ihm eine jährliche Penſion ausgeſetzt hatte, verdarb. Einige Gönner wirkten ihm nun bei dem Könige eine Zurückberufung aus. Er erklärte indeſſen, keinen Gebrauch davon machen zu können, bis ſein Pro⸗ ceß nochmals revidirt worden wäre und er dann dieſe Wohlthat nicht als eine Gnade, ſondern als eine feierliche Ehrenerklärung anſehen dürfe 4). Sein Geſuch wurde abgeſchlagen. Darauf ging er nach England, hielt ſich auf ſeiner Rückreiſe einige Monate heimlich in Paris auf und kehrte von da nach Brüſſel zurück, wo er 1741 ſtarb 5), bis zum letzten Augenblick betheuernd, er ſei nicht der Verfaſſer der verläumderiſchen Epigramme, die ſein Lebensglück vergiftet hätten.

Uebrigens ſcheint dieſer Vorwurf nur eine Verläumdung geweſen zu ſein; denn nur einmal hat er den Namen Richer angenommen und dies war zu der Zeit, als er ſich während ſeiner Verbannung heimlich in Paris aufhielt.

) Hierauf bezieht ſich auch ein Brief, den er an Boutet, einen ſeiner beſten Freunde, ſchrieb:

Il ne s'agit point pour moi de retourner en France, mais de confondre Pimposture qui m'a noirci, et de me mettre en état de paraitre devant les hommes, comme je paraitrai un jour devant Dieu. Tout autre plan serait me déshonorer, et je souffrirai plutôt la mort que d'y acquiescer. Gest ainsi que j'ai toujours parlé et pensé; et c'est ainsi que je penserai et parlerai toute ma vie.

5) Piron widmete ihm folgende Grabſchrift:

Ci-git Pillustre et malheureux Rousseau. Le Brabant füt sa tombe et Paris son berceau. Voici Pabrégé de sa vie Qui fut trop longue de moitié: Il fut trente ans digne d'envie, Et trente ans digne de pitié. 21790 1*