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Königs Wilhelms II. wurde am 26. Januar unter zahlreicher Beteiligung von Eltern der Schüler und Freunden der Anstalt festlich begangen. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Pagenstecher über die Entwickelung der deutschen Kaisersage.
Die am 31. Oktober v. J. erfolgte Einweihung der neuen evangelischen„Ringkirche“ hatte für unsere Anstalt insofern eine besondere Bedeutung, als sie zum Pfarrbezirk dieser Kirche gehört; bei der Einweihungsfeier war die Oberrealschule durch den Direktor und einen Teil der Lehrer sowie durch eine aus den evangelischen Konfirmanden gebildete Abordnung vertreten. Der Jugendgottesdienst findet nun nicht mehr wie seither für die drei höheren Anstalten Wiesbadens gemeinsam alle drei Wochen in der Bergkirche, sondern für jede Schule alle 14 Tage in derjenigen Kirche statt, in deren Bezirk sie gelegen ist. Hiernach besuchen die Schüler der Klasse VI bis O. III nunmehr den Jugendgottesdienst in der Ringkirche, während der Schulgottesdienst der Klassen I und II weggefallen ist.(Vgl. hierzu die ge- nehmigende Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 12. November v. J.)
Das Kuratorium zeigte die gleiche Zusammensetzung wie im vorigen Jahre mit dem Unterschiede jedoch, dass Herr Stadtrat Dr. von Heyden mit Rücksicht auf seinen Gesund- heitszustand von seinen städtischen Amtern zurückgetreten und im Kuratorium durch Herrn Stadtrat Kalle ersetzt worden ist. Hiernach gehören zum Kuratorium als ständige Mitglieder die Herren Oberbürgermeister Dr. von 4. bell, Direktor Weldert, Schulinspektor Rinkel und Direktor Dr. Kaiser, als gewählte Mitglieder die Herren Rentner Gaab, Stadtrath Kalle, Rentner Mäckler, Stadtverordneter Sanitätsrat Dr. Pagenstecher, Stadtrat Steinkauler und Stadtbaudirektor Baurat Winter.
Der Bestand des Lehrerkollegiums ist aus dem S. 22 und 23 gegebenen Verzeichnis ersichtlich. Uber das Ausscheiden des Herrn Professor Schmitthenner ist bereits im vorigen Jahr berichtet worden. Hier ist noch nachzutragen, dass ihm bei seinem Ausscheiden aus dem Amte der Rote Adlerorden IV. Klasse von Sr. Majestät dem Kniser und König ver- liehen und bei seiner mit der Schlussfeier vom 17. März v. Js. verbundenen Verabschiedung von der Anstalt durch den unterzeichneten Direktor überreicht worden ist. Leider ist der damals ausgesprochene Wunsch, dass er sich, frei von den Sorgen des Amtes, eines freund- lichen Ruhestandes noch lange erfreuen möge, nicht in Erfüllung gegangen. Am 8. Januar d. Js. ist er eines raschen Todes gestorben und drei T'age später von seinen Kollegen und Schülern zur letzten Ruhe geleitet worden. Er ruhe in Frieden!
Sein Nachfolger, Herr Oberlehrer Karl Pagenstec her, hat mit Beginn des Schuljahres sein Amt an der Oberrealschule angetreten. Über seinen Lebensgang gibt er folgende Mitteilungen:
Karl Pagenstecher wurde geboren den 21. Januar 1864 zu Bad Soden am Taunus, besuchte das Kgl. Gymnasium zu Wiesbaden und studierte dann von Ostern 1882 an zu Leipzig und Bonn deutsche Philologie und Geschichte. Das examen pro facultate docendi bestand er am 15. Dezember 1888 zu Bonn, sein Probejahr absolvierte er Herbst 1888 bis Herbst 1889 am Gymnasium zu Barmen. Von Herbst 1889 bis Ostern 1890 war er vertretungsweise als Hilfslehrer an der Realschule in Barmen- Wupperfeld thätig und seit Ostern 1890 am Realprogymnasium zu Remscheid angestellt, zunächst als Hilfslehrer, von Ostern 1891 an definitiv. Ostern 1894 ging er als Oberlehrer an die städt. Oberreal- schule in Wiesbaden über.
Zur Kräftigung seiner angegriffenen Gesundheit war Herr Professor Güth für das Sommerhalbjahr beurlaubt; seine Stelle versah der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Wilh. Schmidt. Mit Beginn des Winterhalbjahres konnte Herr Professor Güth seinen Unterricht in voller Frische wieder aufnehmen.


