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1) Die in Rede ſtehenden Krankheiten werden durch die Sporen der Roſtpilze erzeugt, wenn die⸗ ſelben auf einer Nährpflanze keimen und ihre Keimſchläuche in die Pflanze eindringen. Dieſe Krankheiten ſind anſteckend, indem die in ungeheurer Menge erzeugten Sporen den Pilz und damit auch die Krankheit verbreiten.
2) Die einzelnen Pflanzen haben im Allgemeinen ihre eigenen Roſtpilze und werden nur durch dieſe mit der Krankheit inficirt.
3) Viele Uredineen durchlaufen einen vollſtändigen Generationswechſel, meiſt der Art, daß ſich Spermogonien und Aecidien, Sommer⸗ und Winterſporen einander folgen.
Die genaue Bekanntſchaft mit dem Entwicklungsgange der Roſtpilze auf den von ihnen heimge⸗ ſuchten Pflanzen, ſowie mit den durch ſie veranlaßten Störungen im Organismus ihrer Wirthe geben nun auch Mittel an die Hand, um die Roſtkrankheit zu verhüten oder wenigſtens einzuſchränken.
Wo ſich auf Pflanzen Roſtpilze zeigen, können ſie nur durch ſchnelle Entfernung und Zerſtörung der befallenen Theile unſchädlich gemacht werden. Als Vorbeugungsmittel iſt überhaupt die Vernichtung der Sporen des Schmarotzers anzugeben. An ſicherſten iſt dies durch Zerſtören des Mycels ſammt den kranken Theilen der Nährpflanze zu erreichen. Bei Birnbäumen und Roſenſtöcken ſind wenigſtens die Blätter zu entfernen, an welchen ſich die bekannten gelben Flecken, die Vorboten der Roſtentwicklung, zeigen. Dies muß jedoch ſehr raſch geſchehen; denn ſobald die Sporen ausfallen, liegt die Gefahr für das nächſte Jahr nahe und iſt dann noch ſchwerer zu beſeitigen.
Ueberſicht der Gattungen der Roſtpilze.)
A. Winterſporen getrennt oder durch eine gallertartige Zwiſchenſubſtanz vereinigt. Spermogonien und Aecidien meiſt vorhanden. a) Winterſporen ein mehr oder weniger dunkelbraunes Pulver oder ſolche Flecken bildend, kürzer oder länger geſtielt. 1. Uromyces. W. Sp. einzellig, braun, mit feſt anhaftenden Stielchen(Fig. 8). 2. Puccinia. W. Sp. zweizellig, unter einander frei, meiſt länglich(Fig. 2 u. 10). 3. Phragmidium. W. Sp. aus 4—11 reihenweiſe verbundenen Zellen beſtehend. Sommer⸗ ſporen rothgelb, Spermogonien orangeroth, Aecidien unbekannt(Fig. 9). 4. Triphragmium. W. Sp. aus drei um einen Punkt angeordneten Zellen beſtehend(Fig. 11). b) Winterſporen durch eine gallertartige Zwiſchenſubſtanz vereinigt. 5. Gymnosporangium. W. Sp. zweizellig, Sommerſporen fehlend, Aecidien mit ſehr aus⸗ gebildeter Hülle(Fig. 7). c) Winterſporen rothe oder röthlich gelbe Polſter bildend, ſchlauch⸗ oder fadenförmig, ohne deutlichen Stiel, am oberen Ende durch Querwände in mehrere Zellen getheilt. 6. Coleosporium. W. Sp. ſchlauchartig, rothe nicht verſtäubende Polſter bildend. Sommer⸗Sp. orangeroth, ſtachelig. 7. Chrysomy xa. W. Sp. fadenförmig, röthlichgelbe verſtäubende Polſter bildend. Sommer⸗Sp. fehlend. d) Winter⸗(und Sommer⸗) Sporen fehlend. 8. Endophyllum. Aus dem Mycelium bilden ſich unmittelbar Spermogonien und Aecidien. Sporen und Sporidien keimen auf derſelben Nährpflanze. B. Winterſporen zu einem feſten Lager verſchmolzen. Spermogonien und Aecidien fehlend. Sommer⸗ ſporen ſtachelig, unter einer Peridie. 9. Melampsora. W. Sp. zu einem flachen dunkeln Lager vereinigt, einzellig, ſich erſt nach dem Abſterben der Nährpflanze ausbildend.
¹) Vergleiche: Die Pilze. Eine Anleitung zur Kenntniß derſelben von Dr. Otto Wünſche.


