Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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Ueber einige Roſtpilze und die durch ſie verurſachten Pflanzenkrankheiten.

I. Die RKoſtpilze im Allgemeinen.

An Blättern, Blattſcheiden und anderen Organen vieler Pflanzen bemerken wir häufig im Frühjahr gelbe Flecken. Nach einiger Zeit wird an den gefärbten Stellen die Oberhaut durchbrochen, und es treten größere oder kleinere Staubhäufchen, erſt von heller, dann von dunkler Färbung hervor. Zuletzt ſehen wir, wie die befallenen Pflanzentheile braun werden und abſterben. Dieſe Erſcheinung wird als eine Krankheit der betreffenden Pflanzen aufgefaßt und als Roſt bezeichnet.

Bei mikroskopiſcher Unterſuchung der zuerſt auftretenden gelben Flecken zeigt ſich das Zellgewebe der befallenen Pflanzentheile von zarten, aber deutlich wahrnehmbaren Pilzfäden durchzogen, welche ſich ſtellenweiſe unter der Epidermis zu einem dichten Geflechte, dem Fruchtlager(Stroma) vereinigen. Auf demſelben erheben ſich ſenkrechte Aeſtchen, die an ihren Enden kleine ovale oder elliptiſche Zellen tragen. Dieſe trennen ſich ſpäter von ihren Stielchen und ſtellen auf der Oberfläche der Pflanzen die ſchon er⸗ wähnten Staubhäufchen dar.

Es legitimiren ſich demnach die hier auftretenden Gebilde als Pilze. Nach den angegebenen Kenn⸗ zeichen gehören ſie zu derjenigen Gruppe von Pilzen, die man Baſidienpilze, Basidiomyceten, nennt. Während die übrigen Familien der Baſidienpilze, die Tremellineen, Hymenomyceten und Gaſteromyceten faſt ausſchließlich den Erdboden oder abgeſtorbene Pflanzentheile bewohnen, ſind die in Rede ſtehenden Pilze, die Uredineen oder Roſtpilze(auch Aecidiaceen genannt) ſämmtlich endophyte Schmarotzer. Sie entwickeln ſich an Blättern, Stengeln, überhaupt an den mit Spaltöffnungen verſehenen Organen lebender Pflanzen immer unmittelbar unter der Oberhaut, treiben dieſe blaſenartig auf, durchbrechen ſie ſpäter und werden auf derſelben als rundliche oder längliche, theis gelbe, theils rothbraune Flecken oder Staubhäufchen ſichtbar.

Wir finden die Roſtpilze an Pflanzen faſt aller Familien der Phanerogamen; den Kryptogamen dagegen, mit Ausnahme der Farnkräuter, fehlen ſie.

Das Mycelium aller Uredineen iſt im Innern der lebenden Pflanzen verborgen. Es beſteht aus zahlreichen zarten, mit Querſcheidewänden verſehenen äſtigen Pilzfäden, welche theils zwiſchen den Zellen der befallenen Pflanze wuchern, theils intracellulare Aeſte treiben.¹)

¹) Nach de Bary, welcher dieſe Aeſte bei Aecidium elatinum(P'eridermium elatinum) fand, ſind dieſelben den ſchlauchartigen Hauſtorien der Perenosporeen ähnlich und können mit demſelben Namen bezeichnet werden. Auch bei Uromyces Betae, dem Runkelrübenroſte, bei Caeoma pinitorquum, dem Kieferndrehroſte, ſowie bei Chrysomyxa Abietis kommen ſolche Saugorgane vor.

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