Aufsatz 
Abhandlung über die Vorbildung der Aspiranten für das Schullehrer-Seminar
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

kann; ſo Religion nicht ohne Sittlichkeit und umgekehrt. Hieraus ergibt ſich, wie Religion und Sittlichkeit im engſten Vereine mit einander das höchſte und heiligſte Bedürfniß und das ſichere Ziel des Menſchengeſchlechts ſind, mithin keinem Men⸗ ſchen fehlen ſollten. Der Menſch ſoll aber zum Menſchen erzogen werden, ſoll ſich unter gehöriger Leitung ſittlich⸗religiös entwickeln. Wen geht aber dieſes Geſchäft hauptſächlich an, weſſen Aufgabe iſt die Erziehung? Nächſt den Eltern, deren hei⸗ liger Beruf es iſt, die in dem Kinde ſchlummernde Anlage zur Religion und Sitt⸗ lichkeit zu wecken und zu entwikeln, iſt ohne Zweifel der Volksſchullehrer dazu be⸗ rufen, in ſeinem Kreiſe die ſittlich⸗religiöſe Bildung der Menſchheit zu befördern und alle ſeine Kräfte aufzubieten, um die ihm anvertrauten Kinder in dieſer Hin⸗ ſicht ihrer wahren Beſtimmung entgegen zu führen. Unmöglich dürfen ihm darum Religion und Sittlichkeit fehlen.

Das Cdict macht demnach an die Adſpiranten eine gerechte Forderung, wenn es die angegebene Bedingung aller wahren Wirkſamkeit in der Schule ſchon bei ihnen vorausſetzt.Ihr ſittliches Betragen muß vorwurfsfreiz ihr religiöſes Gefühl lebendig ſein.

Wer für den ſpäter zu ergreifenden Lehrerberuf tauglich ſein will, muß durch⸗ aus ſchon frühe eine ſittliche Lebensweiſe verſprechen und von religiöſem Gefühle beſeelt ſein. Wie viel hängt von der Thätigkeit des Lehrers in der Gemeinde ab! Wie viele ⸗Augen ſind beſtändig auf ihn gerichtet und betrachten ihn als Muſter und Vorbild! Nicht allein die ſeiner Erziehung und Leitung anvertrauten Kin⸗ der, auch die Erwachſenen in der Gemeinde beobachten ihn beſtändig bei all ſeinen Schritten und Handlungen mit ſcharfen Blicken; ſie geben auf ſeine ganze Art zu reden und zu thun mit Aufmerkſamkeit Acht; ſie machen ſeinen ganzen Lebens⸗ wandel zum Gegenſtande ihrer fortgeſetzten, ſorgfältigen Betrachtung. Was wuͤrde er alſo ausrichten, wie würde er in ſeinem Berufe mit Erfolg und Segen wirken können, wenn er durch ſeinen Wandel ein ſchlechtes Beiſpiel gäbe 3z wenn er ſeines irreligiöſen und unmoraliſchen Benehmens wegen nicht allein aller Chre und Achtung bei ſeinen Schülern ſowohl, als bei den übrigen Gemeindegliedern ver⸗ luſtig ginge, ſondern auch dadurch, daß Andere ihn zum Muſter der Nachahmung ſich nehmen, zur Verbreitung eines irreligiöſen und unſittlichen Sinnes in der Ge⸗