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ſchützten und ſittlich kräftigten, verbreiteten ſich die Segnungen des Chriſtenthums und der aus dem Alterthum ererbten Cultur von Rom aus über das jetzt geiſtig angeregte Deutſchland der⸗ geſtalt, daß die Deutſchen ihrerſeits als Bildner der ſlaviſchen und nordiſchen Völkerſchaften unſterblichen Ruhm erlangen konnte. Auf dieſe Weiſe entwickelte ſich neben der Weltreligion im neurömiſchen Staate ein Weltbürgerthum ¹s*), aber nicht ein abſtraktes, nivellirendes, wie im altrömiſchen Reiche, ſondern ein auf freie deutſche Volksthümlichkeiten 185) gegründetes, wenn auch zugegeben werden ſoll, daß Karl durch die Uebertreibung ihm liebgewordener römiſch⸗ bureaukratiſcher Formen nach Art Juſtinians ſeit ſeiner Kaiſerwerdung den Sondergeiſt ſeiner Völker zu ſehr gedrückt hat. Dagegen mag man einwenden, daß nicht anders, als durch eine ſtraffe Centraliſation ¹86) die Keime zu einer großartigen chriſtlichen Politik zu legen ſein mochten.
Obwohl nun in dem Weſtreiche gemäß der chriſtlichen Theorie Staat und Kirche ſich gleichmäßig frei bewegen ſollten, ſo lag es doch in der Natur der Dinge, daß die ſchutzflehende Kirche anfangs eine untergeordnetere ¹8*) Stellung einnahm zu dem deutſchen Staate. Der leitende Geiſt der großen Völkerverbrüderung, deren unmittelbare Theilnehmer von der Eider bis zur Weichſel, vom Ebro und dem Monte Gargano bis zur Mündung der Donau hin ¹³³) wohnten, war Kaiſer Karl, der trotz aller Fehler es wohl ¹²) verdiente, der Mittelpunkt einer werdenden Zeit zu ſein. Schon ſeine Zeitgenoſſen nannten ihn, freilich übertreibend, Vater des Erdkreiſes 160), den großen Friedensfürſten der Nationen, den Statthalter des Reiches Gottes auf Erden ¹⁹¹). Und in der That unabläſſig bemühte er ſich, ſeine Unterthanen durch eine ſtarke Landmacht und durch eine Nordſee und Mittelmeerflotte kräftigſt zu ſchützen, auf daß die ruhige Entwicklung des Staates und der nöthige Handelsverkehr nicht unterbrochen würde, das Reich zu mehren, um immer mehr Gottesſtreiter zu gewinnen, den Glauben in ſeiner Reinheit zu erhalten und zu verbreiten, Kirchen und Schulen herzuſtellen, durch eine tüchtige Verwaltung ¹³*) Wohlſtand und Bildung überall zu verbreiten, das Volk durch eine weiſe Geſetzgebung zu heben und zu beſſern, ſtrenge und pünktliche Gerechtigkeit zu üben, die Freiheit und die Theilnahme am Staate durch die verfaſſungsmäßig alle Jahre abzuhaltenden Reichsverſammlungen, Synoden, Provincial und Gaulandtäge wach zu erhalten, jede Perſon nach Würde und Billigkeit zu behandeln, dem Sklavenhandel ¹⁸³) mit aller Macht entgegen zu arbeiten, den wilden, gewalt⸗
Alcuin. Leibnitz 110.— 184) Nicht ohne Grund ſagt Ozanam 56„der Glaube allein, ſei er falſch oder wahr, bildet danernde Societäten.“— 185) Aßmann Mittelalter 123.— 186) Wenn Kortüm 1, 143 ſagt, daß durch Karl Anſprüche auf verderbliche Weltherrſchaft im chriſtlichen Europa das Thor geöffnet, ſo vergißt er, daß die Freiheit der Kirche und die conſtitutionelle Berechtigung des Reichstages ein bedeutendes Correctiv abgaben. cf. Leibnitz 314.— 187) Idler 2, 4. Deus te exaltavit in honorem gloriae regni Europae. Memor esto. rex mi, Dei regis quod tu es in vice illius super omnia membra ejus custodire et regere et rationem reddere in die judicii et Episcopus(der Pabſt) est in secundo loco, in vice Christi tantum.— 188) Pertz 5, 234. Einhard vit. c. 15— 189) 1, 15 Widukind. Poeta Saxo lib. 5 meint, Seinesgleichen werde es nicht wieder geben. Einhard v. c. 8 und praefatio.— 190) Pertz 2, 467. Idler 2, 135. in terra, in qua nunc Franci dominantur, ab initio mundi talis rex numquam visus est, qui sic esset fortis, sapiens et religiosus, sicut noster dominus Augustus Karlus.— 191) Dieſer erhabene Charakter des Kaiſerthums ging ſchon 822 durch Hludwigs Schwäche unter(tunc primum de imperio ecclesia triumphavit Leibnitz 344), erſcheint jedoch noch im vollen Glanze im Heliand, wo Chriſtus wie ein mächtiger, milder deutſcher Volkskönig, umgeben von ſeinen bis in den Tod getreuen Gefolgsmännern, geſchildert wird. Vilmar a. a. O. 54 pP.— 192) Aßmann a. a. O. 127 ff.— 193) Karl beklagte ſich 778 darüber, daß die Römer auf griechiſchen Schiffen Chriſtenſklaven an die Muhammedaner verkauften, worauf Adrian I. die griechiſchen Sklavenſchiffe in Civita vecchia verbrennen und die Mannſchaften als Seeräuber ins Gefängniß werfen ließ. Bouquet 557. Idler 2, 62. nunquam in tale declina-


