Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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Aus dem Leben Rarſs des Zroßen.

Bon Conrector Dr. Franz Heinrich Deutſchmann.

Zur Stiftung des deutſchen Kaiſerreichs.

In der Zeit, als Karl der Große nach dem Tode ſeines Bruders und Mitkönigs Karlo⸗ mann als Alleinherrſcher in rieſenhafter Machtfülle daſtand und ſeine Kraft an den heidniſchen Sachſen zu erproben begann, befand ſich der päbſtliche Stuhl in einer nahezu verzweifelten Lage. Bedroht vom Königreich Italien und den Parteien in Rom, von dem byzantiniſchen Kaiſer⸗ thume und vom Muhammedanismus, der in einem weiten Bogen vom Kaukaſus bis zu den Pyrenäen den Süden der chriſtlichen Länder umſpannte, wußte das Papſtthum endlich keinen andern Ausweg zur Rettung der Kirche mehr, als ſich dem mächtigen Frankenfürſten, deſſen Großvater einſt zwiſchen Tours und Poitiers die Chriſtenheit vor den Arabern, deſſen Vater ſchon einmal den Pabſt vor dem Königreiche Italien gerettet hatte, ganz und gar in die Arme zu werfen. Es lag in der Natur der Dinge, daß der Schirmherr der Kirche für ſeine geleiſteten Dienſte ſeinerſeits Vortheile in Anſpruch nahm; da indeſſen der Pabſt keine Länder zu vergeben hatte und eine ſtarke Partei in Rom ſelbſt unter ſo gefährlichen Umſtänden zu größerer Sicher⸗ heit am Ende lieber, wenn auch nicht die Einverleibung ins Königreich Italien, doch die Wieder⸗ berſtellung des weſtrömiſchen Kaiſerreiches wollte, als zum bloßgeſtellten Patrimonium Petri zu gehören, ſo mußte ſich die Idee des Kaiſerthums dem Pabſte von ſelbſt darbieten. Weil aber Name und Würde des Kaiſers im rechtmäßigen Beſitze der Beherrſcher des oſtrömiſchen Reiches waren, und weder dem Pabſte noch dem Frankenkönige mit einer in den Augen der Welt uſurpirten Majeſtät gedient ſein konnte, ſo verfiel man auf einen vorlänfigen Erſatz für das Kaiſerthum, gleichſam auf ein abendländiſches Großkönigthum, deſſen Grundzüge ſchon im Jahre 774 zu Rom zwiſchen Karl und Pabſt Adrian I vertragsmäßig feſtgeſtellt wurden, als die Franken vor Pavia ſtanden, um auf Bitten Adrians ²) das Königreich Italien zu zerſtören.

Sechs Päbſte waren nämlich ſchon von den Königen von Italien zu Tode geängſtet worden, da unternahm es Deſiderius, der letzte König von Italien ²), welcher erſt durch die Bemühungen des Pabſtes Stephan III. als ſolcher Anerkennung gefunden hatte, im Vertrauen auf griechiſche Hilfe und eine kleine italieniſche Partei in Rom ſelbſt*) nicht nur dem Pabſte Adrian den Kirchenſtaat und die Stadt Rom zu entreißen, ſondern ihn auch zu zwingen, einer beabſichtigten Revolutionirung*) des Frankenrtiches dadurch die religiöſe Weihe zu geben, daß derſelbe des

¹1) Macchiavellie Historie florentine, Ausgabe 1680, p. 30: il papa ricorse in Francia à quei Re. Di modo che tutte le guerre, che dopo questi tempi furono da' barbari fatte in Italia, furono in maggior parte da i Pontifici causate e tutti i barbari, che quella inundarono furono il più delle volte da quelli chiamati. II qual modo di procedere dura ancora in questi nostri tempi, il che ha tenuto e tiene la Italia disunita e inferma. 2) Regna Italiae, quae dicitur Langobardia Bouquet recueil V, (p. 731. Leibnitz annales imperii I, p. 101. 3) Pertz Monumenta Germaniae 5, 200. Die Römer baten ſchon König Aiſtulf, das römiſche Reich an ſich zu reißen. Gibbon history of the decline aud fall of the roman empire London. 1836 cp. 49, p. 880. 4) Einhard, vita Caroli M. cp. 3, 6, annales 773 und 774. Idler,

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