Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : Fortsetzung und Beschluß
Entstehung
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der Anſtalt, obgleich die Geſchichte in ganz einfachen Sätzen gegeben, daher nicht ſchwer aufzufaſſen war, bei ziemlicher Sprach-, Sprech- und Abſehfertigkeit auch ein geübtes Denken bethätigten. Mit taubſtummen Schülern auf dieſer Bil⸗ dungsſtufe könnte man wohl ſchon, als beſondere Denk⸗ und Sprachübung, eine Betrachtung über die Geſetze der Sprache ſelbſt, über das Wiſſenswürdigſte der Grammatik, inſoweit dies bei Taubſtummen thunlich iſt, anſtellen, in welcher Rückſicht ich aber in dieſer Schule nichts zu bemerken Gelegenheit hatte. Wäh⸗ rend Herr Preiß mit der zweiten Abtheilung dieſe moraliſche Begriffs⸗ und Sprachentwickelung vornahm, war die erſte Abtheilung beſchäftigt, nach Jäger's zweitem Vorlegeblatt zu§. 9. ſeiner Anleitung Bedingungsſätze zu bilden, zwei ſehr befähigte aber nach einem gegebenen Entwurfe einen Brief zu ſchreiben. Die mir vorgelegten Arbeiten lieferten den thatſächlichen Beweis, daß die Kin⸗ der in der Sprachbildung gut gefördert ſind und die Anſtalt in ihren Beſtre⸗ bungen zum Zeitgemäßen und Beſſeren Möglichſtes zu leiſten befliſſen iſt. Fra⸗ gen aus dem religiöſen Gebiete, welche ich an einige der älteſten Zöglinge rich tete, wurden meiſt gut abgeſehen und richtig beantwortet, von Bibelſprüchen war bereits ein reicher Schatz gewonnen, und ihre Mittheilungen über Verſchiedenes aus der Weltkunde zeugten von lobenswerthen Kenntniſſen auch in dieſem Un⸗ terrichtsgegenſtande.

Die Tagebuchführung, dieſes vorzügliche Sprachbildungsmittel auf praktiſchem Wege, wird in der Anſtalt nicht angewendet, welcher Unterricht aber aus ge⸗ wichtigen Gründen in keinem Taubſtummen-Inſtitute fehlen ſollte.

Der Rechenunterricht, ein ſo vorzügliches formales Mittel zum Denken, ſcheint in der Gmünder Anſtalt in ſehr praktiſcher, geiſtigbildender Weiſe betrie⸗ ben zu werden, da die Schüler aller Klaſſen eine anerkennenswerthe Fertigkeit derſelben an den Tag legten.

Zugethan den wackern Beſtrebungen zu einer beſſeren Methode des Taub⸗ ſtummen-Unterrichts unſerer Zeit und beſeelt von Grundſätzen wahrhaft prak⸗ tiſcher Befähigung, einer Bildung, wie ſie für's Leben paßt, und den Taubſtum⸗ men in ihren Lebensverhältniſſen auch wirklich nützt, war es für mich von größtem Intereſſe, dieſe Anſtalt, welche ich im Jahr 1826 unter ihrem würdi⸗