Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : Fortsetzung und Beschluß
Entstehung
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buch betitelt, ſammeln und dann memoriren. Iſt der gehörige Wortvorrath von Ding-, Eigenſchafts- und Zeitwörtern gewonneu, ſo folgt grammatiſcher Unter⸗ richt, um die Wörterſammlung in den gewöhnlichen Satzformen in Anwendung zu bringen.

Der Sprachunterrichtsgang iſt ganz nach grammatiſchen Principien, im Weſentlichen nach Czech's verſinnlichter Denk⸗ und Spaachlehre, angelegt, was unſerem Grundſatze für den Sprachunterricht bei Taubſtummen, den Bil⸗ dungsgang im vollſiunigen Kinde nachzuahmen, widerſpricht. Satzübungen, welche Froſt in ſeiner Weiſe mit der ihm eigenthümlichen Lebendigkeit und vieler Sachkenntniß anſtellte, gingen erwünſcht, ich muß aber tadeln, daß dabei mit der Geberdenſprache ſoufflirt ward.

Im religiöſen Gebiete wird hier viel angeregt und geleiſtet, was man ſonſt nicht ſo findet, ſich aber daraus erklärt, daß der Director und die zwei Hauptlehrer Weltprieſter ſind, welche eine beſondere Vorliebe für das Religiöſe beſitzen. Herr Froſt und mit ihm ſein Jugendfreund Kotàtko, haben die eigene Anſicht, alle Zöglinge, ſelbſt die jüngſten, müßten am Religionsunter⸗ richte Theil nehmen, wenn auch die der unterſten Klaſſe in ihrer Sprachbil⸗ dung noch nicht ſo weit gefördert ſeien, daß ſie den Sinn der religiöſen Mit⸗ theilungen verſtehen könnten; es werde die Anregung und das fromme Bild dann doch wenigſtens eine dunkele Ahnung von etwas Höherem in den harm⸗ loſen Gemüthern der taubſtummen Kleinen wecken, wodurch ſchon genug ge⸗ wonnen ſei. Werden Zeit und Kräfte zu den Sprech- und Sprachübungen der kleinen Schüler dadurch nicht zu ſehr gekürzt und geſchwächt, ſo möchte ich mich mit der hier ausgeſprochenen Anſicht einverſtanden erklären.

Mit beſonderem Intereſſe beſuchte ich eine Andachtsſtunde, die Froſt allen Schülern, die ſich vor der Tafel in einem Halbkreiſe befanden, über fol⸗ gende Stelle hielt:Die Heiligen haben keine Gemeinſchaft mit den Verdamm ten in der Hölle. Abraham ſagte: Es iſt zwiſchen Himmel und Erde eine tiefe Kluft, daß man weder hinüber noch herüber gehen kann Am jüngſten Tage, am Ende der Welt werden die Leiber der Menſchen auferſtehen und ſich mit den Seelen wieder vereinigen. Die Menſchen werden dann nicht mehr