Aufsatz 
Reisebericht (über die Taubstummen-Institute in Münster, Halberstadt, Magdeburg, Berlin, Dresden, Prag und Gmünd) : Fortsetzung und Beschluß
Entstehung
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ben bis höchſtens dreizehn Jahren, weil die Sprachorgane ſich in dieſem Alter noch leicht bewegen laſſen, und die Zöglinge ſo viel Aufmerkſamkeit beſitzen, Wörter nachzuahmen.

Im Lehrverfahren dieſer Schule hatte ich Gelegenheit Folgendes zu be⸗ merken. In der unterſten Klaſſe brachte Herr Director Froſt den Kindern die von ihm ſelbſt geſchriebene Leſefibel zur Anſchauung, forderte dann jeden Schüler der Reihe nach auf, die auf der Tabelle dargeſtellten Laute und Laut⸗ verbindungen zu ſprechen; es war dies ein ſprachliches Mechaniſiren, das Froſt mit ungemeiner Sachkenntniß und Gewandheit anzuſtellen, und in treffender Weiſe vorkommende Fehler zu berichtigen wußte.

Die meiſten Kinder articulirten ganz vernehmlich und mit ſo natürlicher, der Ausſprache Vollſinniger ähnlichen Stimme, daß ich meine Freude hatte, ih⸗ nen zuzuhören. Denn ſelten ſpricht die Maſſe gut, es ſind vielmehr immer und überall nur die mit etwas Vocalgehör Begabten, oder ſolche, welche das Gehör erſt verloren, nachdem ſie auf dem natürlichen Wege ſchon ſprechen ge lernt hatten, bei denen man daher mehr die Ausſprache Vollſinniger zu hören glaubt, während die Mehrzahl der Taubſtummen, wenn ſie nicht tüchtig im Re⸗ den geübt ſind, monoton, hart und ohrwidrig ſpricht. In der Articulation der Laute b und p, d und t, ä und e, ö und e, ü und i macht Froſt keinen Un⸗ terſchied, da in der Ausſprache hörender Menſchen die Verſchiedenheit dieſer Laute auch nicht wahrgenommen werde. Dies mag wohl bei den Deutſchreden⸗ den in Böhmen der Fall ſein; allein ich kann mich mit dieſer Anſicht um ſo weniger einverſtanden erklären, da der Taubſtumme nicht richtig abzuleſen im Stande iſt, wenn der ſprechende Mund dieſe Unterſchiede eben nicht genau an⸗ gibt. Sind die Fibeln gehörig durchgearbeitet, ſo beginnt der lericaliſche Theil des Sprachunterrichts, dem der grammatiſche bald folgt. Froſt hat nämlich die Namen von wirklichen Gegenſtänden auf, in dem Lehrzimmer hängenden, Tabellen geſchrieben, damit das darauf Dargeſtellte den Schülern zu ſteter An⸗ ſchauung und zum Behalten diene. So ſind auf der erſten Tabelle die Theile des menſchlichen Körpers, auf den folgenden: Zimmer⸗, Tiſch⸗, Küchen⸗ und andere Geräthe benannt, welche Wörter die Schüler in ihren Heften, Namen⸗