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Das Unterrichtsweſen der Anſtalt iſt nach einem Lehrplan eingerichtet, der im Weſentlichen die Grundſätze feſthält, welche das Leipziger Inſtitut auf⸗ geſtellt hat, die mehr eine alt-grammatiſche Richtung verfolgen, den naturge⸗ mäßern, beſſern Weg aber, auf welchem das vollſinnige Kind im Haus- und Weltleben die Sprache lernt und ſich aneignet, weniger berückſichtigen. Aus Gründen, die anzuführen hier der Raum nicht geſtattet, kann ich mich mit dieſer Richtung nicht befreunden.
Man kultivirt und gebraucht in dieſer Anſtalt vorzugsweiſe die Laut⸗ ſprache, macht jedoch auch von der Pantomime ſo lange Anwendung bis ſie, bei gewonnener Sprach⸗, Sprech⸗ und Abſehfertigkeit, wenigſtens in den oberen Klaſſen, mehr in den Hintergrund treten kann. Die Lehrer ſind der Anſicht, das taubſtumme Kind könne nie und nimmer ohne Geberde unterrichtet wer⸗ den— ich möchte dies bedingungsweiſe bezweifeln— und ein gänzliches Ver⸗ werfen derſelben im Taubſtummenunterrichte, das gewöhnlich von Leuten aus⸗ gehe, die ſie nicht verſtänden und zu würdigen wüßten, ſei eine große Unge⸗ rechtigkeit gegen die armen Taubſtummen. Dieſem Grundſatze gemäß begleiten die Lehrer dieſer Anſtalt in allen Klaſſen ihre Sprache während des Unterrichts mehr oder weniger mit Geberden und ſtellen ſogar in den unteren Klaſſen nach Vorſchrift des Lehrplans, pantomimiſche Unterhaltungen an, wie ſolche in der Leipziger Anſtalt eingeführt ſind. Da aber die Anwendung der Geberdenſprache die Ausbildung der Laut⸗ und Schriftſprache, wodurch der Taubſtumme ent⸗ ſtummt und den Vollſinnigen möglichſt näher geführt werden ſoll, behindert, ſo kann ich dieſes Verfahren nicht billigen. Abgeſehen von dem vorherrſchend grammatiſchen Sprachunterrichtsgange, wird in dieſem Inſtitute in einer durch⸗ weg elementariſchen, den Kindern recht faßliche Weiſe verfahren und überall ſo lückenlos, ſtufenmäßig fortgeſchritten, daß an einem günſtigen Erfolge im Unter⸗ richte kaum zu zweifeln iſt.
Ich hospitirte bei Herrn Director Jenke in der zweiten Klaſſe, wo eine Sprach- und Sprechübung über Zeitverhältniſſe vorkam, die mir die Gewißheit verſchaffte, daß derſelbe unverrückt an ſeinem Lehrplane feſthaltend, die Schüler mit der Zeiteintheilung und deren Sprachgebrauch genügend bekannt gemacht


