Aufsatz 
Zeitgemäße Wünsche und Vorschläge zu einer zweckmäßigen Behandlung der Taubstummen nach dem Austritte aus dem Institute
Entstehung
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aufdruͤckte. Es iſt, um unter vielen nur eine Thatſache anzufuͤhren, ſogar einmal der bedauernswuͤrdige Fall vorgekommen, daß ein Zoͤgling, der in den zwei letzten Jahren ſeines Hierſeins taͤglich einige Stunden bei einem hieſigen Meiſter in der Lehre war, dann aber aus dem Inſtitute entlaſſen werden mußte, durch die Schuld ſeiner Eltern am Weiterlernen(Auslernen) des hier angefan⸗ genen Schneiderhandwerkes zu Hauſe gehindert wurde, und, weil er unbemittelt iſt, ſpaͤter als Knecht dienen mußte, wo er, ein Taubſtummer, vielleicht nur die Koſt als Jahrlohn bekam. Zu unſteter Lebensweiſe verleitet, nun daran gewoͤhnt, ſoll er gegenwaͤrtig als Viehtreiber und wandernder Muͤßiggaͤnger ſeinen Lebens⸗ unterhalt ſuchen, wodurch ſein ſittlicher Lebenswandel ſehr gefaͤhrdet ſein mag.

Ein anderer, gut beanlagter, geweckter Knabe verließ nach ſechsjaͤhriger Un⸗ terrichtszeit das Inſtitut in feſter Hoffnung, er werde nun in ſeinem Geburtsorte oder in einer benachbarten Stadt auf Koſten des Localarmenfonds, woraus er waͤhrend ſeiner Unterrichtsjahre unterſtuͤtzt worden war, die Schneiderprofeſſion erlernen koͤnnen, wozu er bei ſeiner ſonſt ſchwaͤchlichen Konſtitutiou, beſondere Neigung und Luſt hatte; allein der arme Ungluͤckliche wurde in ſeiner Hoffnung getaͤuſcht; und da ſein armer Vater nichts fuͤr ihn thun kann; ſo iſt er zum Er werb ſeines Lebensunterhaltes auf die Landſtraße gebannt, wo er bei der trauri⸗ gen Arbeit des Steinklopfens, einem zerlumpten Bettler gleich, ſchon oft geſehen worden iſt. Da nun der Arme weiß, daß ſeine Schul⸗ und Ungluͤcksgenoſſen in der dortigen Umgegend bei Meiſtern in der Lehre ſind, ſo laͤßt ſich denken, wel⸗ cher Unmuth ihn beſchleichen, wie ungluͤcklich er ſich fuͤhlen muß, wenn er an ſeine bevorzugteu Kameraden, mit denen er doch gleiche Rechte hat, erinnert wird, und ſeine gedruͤckte, zuruͤckgeſetzte Lage mit der ihrigen zu vergleichen gezwungen iſt. Wie da die guten Fruͤchte des Unterrichts zerſtoͤrt werden koͤnnen, das harmloſe Gemuͤthsleben aber der Zernichtung Preis gegeben iſt und das herbe Loos der Gluͤcksloſen noch elender wird als es war, iſt einleuchtend.

Nicht beſſer erging es einem vor zwei Jahren aus dem Inſtitute entlaſſenen taubſtummen Knaben, der aus entſchiedener Neigung bei einem hieſigen geſchickten Lehrmeiſter die Schneiderprofeſſion erlernen wollte; allein die Gemeinde verwei⸗ gerte ihm trotz der Verwendung des Herrn Beamten das dazu erforderliche Lehr⸗ geld, um welches er als armer, vaterloſer Knabe gebeten hatte, und ſo mußte er

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