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Ein ſittlich kraͤftiger Sinn, ein ſtarker guter Wille, dem die Beherrſchung niederer, oft wilder Triebe und Leidenſchaften jederzeit eine leichte Sache iſt, ein tugendhaftes, religiéſes Gemuͤth, ſollen der Bildung des Taubſtummen die Krone aufſetzen, und ihm auf des Lebens Wegen Schild und Schirm ſeyn vor Suͤnde und Laſter, aber auch Stuͤtze und Troſt in Noth und Drangſal. Wir ſuchen daher vor Allem das religioͤſe Gefuͤhl und den religioͤſen Sinn des Taubſtummen zu wecken, zu beleben, durch gute Lehren zu befeſtigen, und eine Ahnung von einem hoͤhern Weſen, das Allem Leben und Daſeyn gibt, dem auch er ſein Leben verdankt, in ſeinen Geiſt zu pflanzen.
Zur Foͤrderung dieſes hohen Zweckes dient vorzuͤglich das Gebet, die fromme Sprache des Herzens, womit der Unterricht taͤglich begonnen wird und dem alle Schuͤler beiwohnen muͤſſen. Waͤhrend dieſe heilige Handlung ſelbſt die groͤßern und aͤltern Zoͤglinge in fromme Andacht verſetzt und ihre Gedanken empor zum Himmel richtet, von dem ſie Segen fuͤr ihr Lernen erflehen, iſt der Anblick der Betenden gewiß ſchon geeignet, auch in den juͤngeren, bei welchen der Religionsunterricht noch nicht zulaͤſſig iſt, eine religioͤſe Ahnung zu wecken, wenn dieſe auch vom Beten ſelbſt noch nichts verſtehen. Dieſer Zweck wird dann auch noch beſonders durch die religioͤſen Andachtsſtunden der Anſtalt, welche jeden Sonnabend mit allen Zoͤglingen gehalten werden, ſehr unterſtuͤtzt, die feierliche, ernſte Stimmung der Lehrer und aͤlteren Zoͤglinge theilt ſich den juͤngeren mit, erweckt Sympathien, und lehrt mit Gott und den Nebenmenſchen ſprechen, was ſchon ein bedeutender Gewinn fuͤr die religioͤſe Bildung der Ungluͤcklichen iſt.
Der Unterricht ſelbſt beginnt mit der Entwicklung ſittlicher und religioͤſer Begriffe, die dem Taubſtummen aus dem Haus-, Schul⸗ und weiteren Lebens⸗ kreis beiſpielweiſe verſinnlicht, erlaͤutert und eingepraͤgt werden; ihre woͤrtliche Darſtellung iſt kurz, einfach, dem Standpunkte ſeiner Sprachkenntniſſe und Denk⸗ fertigkeit, ſo wie der Faſſungskraft durchaus angemeſſen oder angepaßt. Je ein⸗ facher die Worte ſind, womit der Lehrer die religioͤſen Wahrheiten gibt, und je gewandter und ſeelenvoller ſeine Mimik, womit er dieſe Worte begleitet, deſto verſtaͤndlicher ſind ſie dem Taubſtummen und deſto eindringlicher und faßlicher


