Aufsatz 
Über platonische Mythen, insbesondere den Mythos im platonischen Phädrus / von ... Deuschle
Entstehung
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die Stelle auszufüllen, welche die Frage nach dem Gewordenſein der Sprache hätte einnehmen müßen. Plato braucht ihn mit vollkommenem Bewußtſein von dieſem Sachverhältniß, weil die Frage ihm gleichgültig iſt und nur durch dieſe Form umgangen werden konnte. Nicht ſo mit dem perſönlichen Gott; denn er behauptet unbewußt ſeinen Platz. Es bedürfte das, andern Anſichten gegenüber, wohl noch eines eingehenderen Nachweiſes; aber es kam mir hier nur darauf an, zu zeigen, wie Verſchiedenes, aber einan⸗ der Aehnliches auf demſelben Grunde innerer Anſchauung ruhen kann, und doch verſchiedenen Werth er⸗ hält, wie für Plato, ſo für uns, die wir uns ein vollkommenes Bild ſeiner philoſophiſchen Lehre und der Art ſeines Denkens nachentwerfen wollen. Wenn nun ſchon in dieſer Beziehung der beſtimmte Fall ent⸗ ſcheiden muß, wie weit durch das individuelle Bedürfniß die dogmatiſche Geltung der mythiſchen Elemente ausgedehnt werde, ſo iſt das noch in höherem Grade erforderlich für die Form der Mythen im Einzelnen, das Wie der Ausführung im Verhältniſſe zu dem Inhalt. Ich trage daher Bedenken, irgend etwas darüber im Allgemeinen feſtzuſetzen. Denn wer könnte von vornherein die Geſetze der Form für alle Fälle genau abgrenzen, ohne auf den Inhalt der einzelnen Rückſicht zu nehmen. Sind doch jene, ich will nicht ſagen, in den einzelnen Fällen blos zur Ausführung gekommen, ſondern ſelbſt erſt entſtanden. Und es gibt kein abſtraktes Geſetz, das nicht in der beſtimmten Ausführung eine individuelle Färbung annehme. Wollte man alſo die Form der Mythen im Allgemeinen darſtellen, ſo würde man ſie bis zu einem Schatten abblaßen, der vielleicht nur für das geübteſte Auge wahrnehmbar bliebe; oder man müßte auf ſämmtliche vorliegende Fälle Rückſicht nehmen und wäre dann genöthigt, um unter ſich Aehnliches aus verſchiedenen Mythen zuſammenzuſtellen, das dem Gedanken nach wahrhaft Zuſammengehörige auseinanderzureißen. Abgeſehen von der Kraft des Ueberblicks, der nöthig wäre, um ſtets von neuem da wieder anzuknüpfen, wo der Faden abbrach, würde die Maſſe des Stoffes ohne Verhältniß zu dem vorausſichtlichen Ertrage anſchwellen. Denn man muß bedenken, daß wir es hier nicht mit begrifflichen Unterſuchungen zu thun haben, die, ſo verſchiedene Richtungen ſie auch einſchlagen mögen, doch immer objektiv logiſcher Nothwen⸗ digkeit unterworfen ſind; ſondern mit Anſchauungen, die in jedem beſtimmten Falle ein ſubjektives Be⸗ dürfniß waren. Jeder Mythus iſt aus einem Guße der Anſchauung entworfen und auch das einheitliche Band ſeiner Beſtandtheile muß begriffen werden. Darum wende ich mich mit Uebergehung jener noch unbeantworteten allgemeinen Frage dem ſpeziellen Theile dieſer Abhandlung zu.

II. Erklärung des AMnthos in dem platoniſchen Phädrus.

Wie bereits oben geſagt ward, gehört dieſer Mythus zu denjenigen, welche als Grundlage einer fol⸗ genden dialektiſchen Erörterung unterbreitet werden. Der Zweck desſelben, ſein Hauptinhalt und ſeine Anlage iſt dadurch im Allgemeinen beſtimmt. Ich habe meine Anſicht darüber in der Zeitſchr. f. Alt. 1854, Heft 1. entwickelt und berufe mich auf die daſelbſt gegebene Begründung. Darnach iſt der Haupt⸗ inhalt dieſes Mythus deshalb die Lehre von der Seele, weil in ihr alle jene Poſtulate an die Erzeugniſſe der geſammten Rhetorik, was eben dazu gerechnet werden mag, ihren Halt nnd Beweis finden. Es kam darauf an, alle dieſe Poſtulate als berechtigt und nothwendig darzuthun; das machte wieder die Behand⸗ lung der Seelenlehre nothwendig; denn ſie ſtützen ſich alle auf die Anſchauung Platos von dem Weſen der Seele, dem ſie als immanent zu denken ſind. Gleichwohl aber konnte das nackte, abſtrakte Weſen der Seele den Zweck nicht erfüllen, ſondern das volle, inhaltreiche, zum Leben nach Innen und Außen ent⸗

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