Aufsatz 
Geschichte der Großherzoglichen Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt in den 25 Jahren ihres Bestehens
Entstehung
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Durch Allerhöchſtes Dekret vom 7. September 1882 mit Wirkung vom 16. September an wurde Herr Direktor Dr. Landmann mit dem Charakter als Profeſſor zum Lehrer an dem Realgymnaſium zu Darmſtadt ernannt. Sein Nachfolger im Direktorium, Herr Ludwig Nodnagel, würdigte im Schulpro⸗ gramme die Verdienſte ſeines Amtsvorgängers in folgender Weiſe:Herr Dr. Landmaun hat unſerer Schule ſeit Übernahme durch den Staat, alſo länger als 5 Jahre hindurch, mit ſeltener Hingebung und Pflichttreue vorgeſtanden. Die innere Organiſation der Anſtalt iſt zu einem großen Teile ſein Werk. Sein Name iſt mit der Geſchichte der hieſigen Realſchule für immer verknüpft und wird in ihrer dank⸗ baren Erinnerung fortleben.

Durch hohe Verfügung vom 1. Mai 1884 fand eine Fixierung des Zuſchuſſes, den die Stadt Groß⸗Umſtadt zu den Unterhaltungskoſten der Realſchule jährlich beizutragen hat, ſtatt. Während der ſtädtiſche Zuſchuß bisher ſich nach den jeweiligen Bedürfniſſen richtete, im Jahre 1882/83 ſich auf 10500 M. belief und in den ſpäteren Jahren ſich noch weſentlich höher geſtaltet hätte, beträgt derſelbe von 1883/84 an jährlich bloß noch 7500 M.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 30. Mai 1884 mit Wirkung vom 1. Juni wurde Herr Direktor Nodnagel zum Direktor des Realgymnaſiums in Gießen befördert und durch Allerhöchſtes Dekret von demſelben Tage der jetzige Direktor Dr. Otto Derſch zu deſſen Nachfolger an hieſiger Realſchule er⸗ nannt. Mit vorzüglichem Geſchicke verſtand es Herr Nodnagel, die Entwicklung der Schule in erfreulicher Weiſe zu fördern und ſich und der Anſtalt zahlreiche Freunde zu gewinnen, die ihm vor ſeinem Scheiden von hier reichliche Beweiſe der Anerkennung zollten.

In den folgenden Jahren war der Anſtalt eine weitere ſtetige, günſtige Entwicklung vergönnt, und allmählich ſchien auch der lang gehegte Wunſch nach einem würdigeren Schulgebäude befriedigt wer⸗ den zu ſollen. Schon ſeit einer Reihe von Jahren wurden über die Mängel der vorhandenen Schulräume Klagen geführt; auch mußte allſeitig zugegeben werden, daß der Bau den Forderungen, die an ein Schul⸗ gebände geſtellt werden müſſen, keineswegs entſprach. Die Unterrichtszimmer waren zu klein und zu niedrig, hatten mangelhafte Beleuchtung und ließen in der Heizung zu wünſchen übrig. Die Mißſtände machten ſich immer fühlbarer, als die Zahl der Schüler ſo wuchs, daß dieſelben kaum noch untergebracht werden konnten. Der Direktor der Anſtalt ſuchte wiederholt den Gemeinderat dazu zu bringen, daß er die Auf⸗ führung eines Neubaues beſchließen möge. Der Gemeinderat gab auch die Mißſtände der Schulräume zu, ſuchte jedoch naturgemäß ſo lange als möglich die mit hohen Koſten verbundene Errichtung eines neuen Schulbaues hinauszuſchieben. Einzelne Schäden, die ſich an dem Gewölbe und dem Gebälke ein⸗ ſtellten, wurden vermerkt, jedoch von der Baubehörde nicht als Grund von Baufälligkeit angeſehen. Im Dezember 1887 war der Bau, deſſen angrenzende Häuſer durch eine Feuersbrunſt eingeäſchert wurden, ſtark bedroht, erlitt jedoch, durch eine ſtarke Brandmauer geſchützt, nur unbedeutende Schädigung.

Am 16. Januar 1888 nahmen Herr Geheimer Staatsrat Dr. v. Knorr und Herr Oberbaurat Pfarrer eine Beſichtigung des Realſchulbaues vor. Es ergab ſich, daß wohl keine augenblickliche Bau⸗ fälligkeit vorliege, die Unterrichtsräume jedoch als durchaus ungenügend bezeichnet werden müßten. Nach⸗ dem in einer nach der Beſichtigung ſtattfindenden Gemeinderatsſitzung Herr Geheimer Staatsrat, die Not⸗ wendigkeit eines Neubaues betonend, einen Staatszuſchuß zum Baue, ſowie die Verbindung einer Land⸗ wirtſchaftsſchule mit der Realſchule in Ausſicht geſtellt hatte, erklärte der Gemeinderat ſeine Bereitwillig⸗ keit 5 beſchloß in einer wenige Tage darauf anberaumten Sitzung die Aufführung eines neuen

ebäudes.

Als dann von Großherzoglicher Staatsregierung die Verbindung einer Landwirtſchaftsſchule mit hieſiger Realſchule genehmigt worden war, fanden ſich am 15. Juni 1888 Herr Geheimer Staatsrat Dr. v. Knorr, Herr Geheimer Rat Dr. Jaup und Herr Geheimer Oberſchulrat Soldan hier ein, um mit Zuziehung des Herrn Kreisrats Heß, Herrn Kreisbaumeiſters v. Riefel und des Realſchuldirektors in einer Gemeinderatsſitzung über die zum Neubau nötigen Vorbereitungen Beſchluß faſſen zu laſſen. Es wurde die Wahl des Bauplatzes getroffen und Herrn Kreisbaumeiſter v. Riefel die Aufſtellung des Bau⸗ planes übertragen.

Die feierliche Eröffnung der Landwirtſchaftsſchule fand am 8. Oktober 1888 ſtatt, und zwar wurde zunächſt ihre unterſte, der 3. Realſchulklaſſe entſprechende Klaſſe, wofür 1 Lehrkraft ausreichte, errichtet. Im Budget war vom 1. April 1888 an eine definitive und eine proviſoriſche Lehrkraft ange⸗ ſetzt. Die in 1888/89 übrig bleibende Summe durfte mit hoher Genehmigung zur Anſchaffung von Lehr⸗ mitteln verwendet werden, ſo daß das landwirtſchaftliche Kabinett gleich anfangs mit Apparaten ſchon reichlich ausgeſtattet werden konnte. Mit Beginn des Schuljahres 1889/90 wurde die 2. Klaſſe der Land⸗ wirtſchaftsſchule errichtet und dadurch eine neue Lehrkraft erforderlich. Für die dann in 1890/91 auf⸗