Aufsatz 
Geschichte der Großherzoglichen Real- und Landwirtschaftsschule zu Groß-Umstadt in den 25 Jahren ihres Bestehens
Entstehung
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Geſchichte

der Großherzoglichen Neal⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗Umſtallt

in den 25 Jahren ihres Beſtehens.

Von Dr. O. Derſch.

Nachdem man hier ſchon längere Zeit den Mangel einer höheren Lehranſtalt empfunden hatter und dies um ſo mehr fühlen mußte, als eine in Groß⸗lmſtadt beſtandene Privatſchule einging, machte ſich mehr und mehr der Wunſch rege, eine ſtädtiſche Realſchule zu gründen. Die neue Militärorganiſation. mit dem Inſtitute der Einjährig⸗Freiwilligen gab dann einen weiteren Sporn, ſo daß im Jahre 1868 die Verhandlungen mit den hohen Behörden begonnen und auch zur glücklichen Löſung gebracht wurden.

Es wurde der Stadt die Erlaubnis zur Errichtung einer höheren Privatlehranſtalt erteilt, zu⸗ nächſt bloß einer Vorbereitungsanſtalt für die oberen Klaſſen einer Realſchule oder eines Gymnaſiums. Nach dem ausgearbeiteten Plane ſollte dieſelbe mit 2 Klaſſen eröffnet werden, jede Klaſſe einen zwei⸗ jährigen Kurſus bekommen und beide bei normaler Vorbereitung Knaben von 1014 Jahren aufnehmen. Die Unterrichtsgegenſtände und Lehrziele ſollten den Klaſſen 3 und 4 einer heſſiſchen Realſchule entſprechen. Als nicht verbindliche Lehrgegenſtände wurde Latein und Griechiſch aufgenommen. Als Schullokal wählte man das der Stadt gehörige Curti'ſche Haus. Sämtliche für die Anſtalt aufzubringende Koſten hatte die Stadt zu tragen, der dafür das Schulgeld zugewieſen wurde.

Am 5. April 1869 begann nach einer kleinen Eröffnungsfeier der Unterricht.

Die Direktion der Schule wurde Herrn Gymnaſiallehramts⸗Acceſſiſten Wilhelm Soldan über⸗ tragen, der nun die Anſtalt von Jahr zu Jahr erweiterte, bis ſie bei ſeinem Weggange zu einer berechtigten Realſchule geworden war.

Die Zahl der in die neue Anſtalt eintretenden Schüler war eine viel größere(91), als man erwartet hatte; dazu kam eine große Verſchiedenheit der Vorkenntniſſe der aufgenommenen Schüler, ſo daß ſofort noch eine dritte Klaſſe errichtet werden mußte. Die Ungleichheit der Kenntniſſe machte bald eine Trennung der unterſten Klaſſe in 2 Abteilungen nötig. Aus der 2. Abteilung und den im Herbſte 1869 neu eintretenden Schülern wurde dann eine vierte Klaſſe gebildet. Oſtern 1870 fand wieder eine Erweiterung der Realſchule um eine neue(fünfte) Klaſſe ſtatt. Die 1. Klaſſe beſaß einen zweijährigen Kurſus, ſo daß von Oſtern 1871 an der auf eine Schulzeit von 6 Jahren berechnete Lehrplan einer heſſiſchen Realſchule zu Grunde gelegt werden konnte.