Mitteilungen
aus dem
griechischen Miscellancodex 2773 der Grossherzoglichen Hofbibliothek zu Darmstadt.
Beiträge zur Kritik des Plato, Mare Aurel, Pseudo-Proclus, Jo. Glycys, Themistius, Pseudo-Dioscorides, Hephaestion;
ein Brief eines christlichen Autors und eine Tafel mit Zeichnungen von Windrosen u. a. 8
Die Grossherzogliche Hofbibliothek besitzt drei griechische Handschriften.
1. Eine Plotinhandschrift in fol., saec. XVI, chart., No. 7641. Sie enthält auf 387 Blättern die 6 Enneaden sammt der vita, ist sehr schön und gleichmässig von einer und derselben Hand geschrieben, auf jeder Seite genau 30 Zeilen. Auf der Innenseite des vorderen Deckels steht oben: ex libris Domini mei Arnoldi..., darunter A. C. 1600. Fr. Creuzer, Plotini liber de pulcritudine, Heidelbergae 1814 p. CXXVIII, der diese Handschrift zu seiner Oxforder Plotin- ausgabe(1835) benutzt hat, giebt richtig an, dass sie aus der Sammlung des L. Bar. a Huebsch zu Köln stamme. Mit dieser ist sie 1805 nach Darmstadt gekommen. H. Müller ¹), der die Handschrift ebenfalls einer genauen Vergleichung unterzogen hat, ist zu dem Resultat gekommen, dass sie direkt aus dem Mediceus A, saec. XIII, der ältesten Plotinhandschrift, geflossen sei.
2. Eine elegant geschriebene Pergamenthandschrift, No. 7638, enthaltend Theodori Gazae Grammatica Graeca, mit hübschen Initialen. Sie hat 146 Blätter, fol. 143— 146 sind leer, fol. 1r, ebenso 146r findet sich das Monogramm y Ro R; fol. 142r steht: ε᷑rενοαςσ ωαά%̈νσσ yoauακ. did e³dds Sudò oyrou eοες σοσωνσο τν*ωι. TH⁴lοασε. rετειαα̈αοοσασια. SενQυσσνσσ. deνrεο. uυκννς ααάmσκνσπσον„ν⁴Jνν. ousratriu. ε. Uber die Herkunft der Handschrift, die meines Wissens noch nicht benutzt wurde, ist nichts bekannt.
3. Die obengenannte Miscellanhandschrift No. 2773 mit 377 Bombycinblättern. Sie wurde im Jahre 1810 von dem bekannten Philologen und Grossh. Hessischen Legationsrat J. Fr. Bast in Paris für den Grossherzog Ludwig I. um den Preis von 300 livres tournois gekauft und ist seit dieser Zeit stets in Darmstadt geblieben, entgegen den Vermutungen A. Kopps, Beiträge zur Griech. Ewcerplenlitteratur, Berlin 1887 S. 101 A. Fr. Creuzer a. a. O. p. CXXXVIII setzt sie ins 13.—14. Jahrhundert. Sie ist, wie aus dem Schriftcharakter hervorgeht, von zahlreichen, auch zeitlich weit auseinander liegenden Händen, vielleicht in einem Kloster, geschrieben. Wenn die reichhaltige Sammelhandschrift auch schon von verschiedenen Gelehrten zu Rate gezogen worden ist, so war es doch bisher unmöglich, auch nur einen Überblick über den mannigfaltigen Inhalt zu gewinnen.
¹) H. Mäüller, zur handschriftlichen U'berlieferung der Enneaden des Plotinos, Hermes 14(1879) S. 96.


