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Mit Neujahr war der dem Kollegen Braun erteilte Urlaub abgelaufen; es stellte sich jedoch die Not- wendigkeit einer weiteren Verlängerung desselben zunächst bis Ostern heraus. Zur Vertretung wurde uns der Lehramtsaccessist Dr. Wallbott zugewiesen, um vor allem die bisher in gleicher Vertretung allzu sehr angestrengten Kollegen Vogt und Schmidt zu entlasten.
Am 13. Januar besuchte Herr Oberschulrat Dr. Dettweiler den Unterricht einiger Klassen und erledigte mit dem Direktor dienstliche Geschäfte.
In hergebrachter Weise beging die Anstalt am 27. Januar das Geburtsfest Sr. M. des deutschen Kaisers, wobei Prof. Dr. Schaum die Festrede hielt und unser Gesangschor ein Melodrama„Deutsche Soldaten- lieder“ von Kriegskotten aufführte.
Am 31. Januar wurde der seitherige Schulverwalter Grünschlag zum Lehrer am Gymnasium(in der Kategorie der Volksschullehrer) ernannt mit fortdauernder Verwendung an der Vorschule.
Am 16. Februar wurde unser Volontär Lehramtsaccessist Görtz zur provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an das Gymnasium in Büdingen berufen.
Am 18. Februar fand die mündliche Reifeprüfung der Oster-Oberprima unter dem Vorsitz des Herrn Ober- schulrats Dr. Dettweiler statt.
Der Gesundheitszustand der Lehrer war in diesem Winter etwas ungünstiger als sonst, indem aussergewöhnlich häufig Erkältungskrankheiten, glücklicher Weise nicht lange andauernd, den Unterrichtsbetrieb störten. Von den Schülern waren namentlich diejenigen der untersten Vorschulklassen im Laufe des November durch Husten und ähnliches hart mitgenommen worden.
Bei dem am 18. März, dem Schlusse des Winterhalbjahrs, üblichen Gottesdienst für die katholischen Schüler musste sich diesmal der erkrankte Religionslehrer Heinrich vertreten lassen, während der Gottesdienst für die evangelischen Schüler wegen plötzlicher Erkrankung des Prof. Klein ausfallen musste. Bei der Schulfeier führte u. a. der Gesangschor und das Schülerorchester den„Vandalenauszug“ von Woyrsch auf; die Abiturienten wurden vom Direktor mit einer Ansprache entlassen.
Da es nach ärztlicher Ansicht nicht ratsam erschien, dass Kollege Braun seinen vollen Dienst damals wieder aufnahm, so hat unsere Behörde in dankenswerter Weise beschlossen, die Stellvertretung für denselben im Sommer weiter bestehen zu lassen und ihm zu gestatten, probeweise in einer Klasse mit geringer Stundenzahl zu unterrichten. Da der seitherige Stellvertreter Dr. Wallbott vom 1. April ab mit Genehmigung der Behörde eine Lebrerstelle am Rheinischen Technikum in Bingen übernahm, so wurde als Nachfolger der Lehramtsaccessist Fuhry gesandt.
Das Sommerhalbjahr begann am 10. April. Am 10. Mai, dem Gedächtnistag des Frankfurter Friedens, fand unser allgemeiner Ausflug statt. Trotz des drohenden Gewölks fiel kein Regen; alle Klassen und Lehrer kehrten nach angenehmer Wanderung hochbefriedigt zurück.
Am 27. Mai starb unerwartet der Rechner unserer Kasse, Herr Rechnungsrat Eger, Grossh. General- rezeptor des Universitätsfonds. Mehrere Wochen hindurch trug er den Todeskeim in sich, ohne sich in seinen Berufsgeschäften eine Erleichterung zu gönnen. Erst kurz vor seinem Hinscheiden erbat er einen Stellvertreter, Herrn Steuerassessor Lohnes, der durch Verfügung vom 16. Mai ernannt wurde und bis zur Wiederbesetzung der Stelle dig Kasse verwaltet.
Am 29. Mai hatten wir den Verlust des hoffnungsvollen Schülers der Vorklasse 1H, Hans Keller, zu beklagen. Nachdem er noch, wie immer, gewissenhaft seine Aufgaben für den folgenden Schultag angefertigt hatte, starb er in der Nacht infolge eingetretener Herzlähmung. Lehrer und Mitschüler begleiteten den Frühverblichenen zu seiner letzten Ruhestätte.
Vom 24. Juni an wurde der Lehramtsassessor Grösser als Leutnant der Landwehr zu einer 14tägigen Uebung eingezogen, während der gleichzeitig einberufene Oberleutnant der Landwehr, Gymnasiallehrer Freund, in dankenswerter Weise von der militärischen Behörde auf unsere dringende Vorstellung hin von der Uebung befreit wurde. Die Vertretung wurde durch die Kollegen besorgt.
Durch Allerh. Dekret vom 30. Juni wurde der unterzeichnete Direktor unter Belassung in seinem bisherigen Dienstverhältnis zum ausserordentlichen Mitglied der Schulabteilung des Ministeriums des Innern unter Verleihung des Charakters als Geheimer Oberschulrat ernannt.
Von den 20 Schülern, welche im Winter bei Lehrer Schöpp die Gabelsbergersche Stenographie erlernten, beteiligten sich während des Sommers 12 an den weiteren Uebungen in der Schnellschrift.
Am 18. Juli beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit seinem Besuche; nach Erledigung amtlicher Geschäfte wohnte er dem Unterrichte in mehreren Klassen bei.
Da der Lehrer an der Vorschule W. Fuchs vom 18. Juli an zu einer vierwöchentlichen militärischen Uebung einberufen worden ist, wurde mit seiner Vertretung der Schulgehülfe König aus Worms beauftragt, der bereits am 17. Juli hier eintraf, um in seine Thätigkeit eingewiesen zu werden.


