Aufsatz 
Mitteilungen aus dem griechischen Miscellancodex 2773 der Großherzoglichen Hofbibliothek zu Darmstadt. Beiträge zur Kritik des Plato, Marc Aurel, Pseudo-Proclus, J. Glycys, Themistius, Pseudo-Dioscorides, Hephaestion; ein Brief eines christlichen Autors und eine Tafel mit Zeichnungen von Windrosen u.a / Carl Denig
Entstehung
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IV. Zur Chronik der Anstalt.

Die gegen den Schluss unseres letzten Berichtsjahres fallende Reifeprüfung wurde am 27. Juli unter dem Vorsitz des mit den Funktionen des Regierungs-Kommissärs betrauten Direktors abgehalten.

Die Entlassung der Abiturienten am 6. August, dem Schlusse des Sommerhalbjahres, gestaltete sich infolge des Ablebens des Fürsten Bismarck zu einer Trauer- und Gedächtnisfeier des am 30. Juli verstorbenen grossen Staatsmannes. In seiner Ansprache suchte der Direktor den Gefühlen vaterländisch gesinnter und für geschichtliche Grösse empfänglicher Herzen Ausdruck zu geben. Unser Gesangschor trug vorher die sechs nieder- ländischen Volkslieder nach der Bearbeitüng von Kremser vor, wobei ein Schüler die verbindenden Worte sprach.

Der zur Stellvertretung berufene Accessist Weisser schied am 6. August wieder von unserer Anstalt. Während der Herbstferien wurde durch Dekret vom 17. August nach siebenjähriger Thätigkeit an hiesiger Anstalt Professor Frederking an das Gymnasium und die Realschule in Worms versetzt; infolge Verfügung vom gleichen Tage wurde der seitherige Rektor der höheren Bürgerschule in Wöllstein, Assessor Groesser, hierher berufen. Da der Zustand des an den Folgen seines Unfalles noch leidenden Kollegen Braun eine Aufnahme seines Dienstes nicht zuliess, so musste er auf Verlangen des Arztes zunächst bis Weihnachten weiter beurlaubt werden; ebenso konnte Dr. Schneider bis Ende Oktober seine Thätigkeit noch nicht aufnehmen. Für beide erkrankte Kollegen wurde als Vertreter der Lehramts-Accessist Curschmann gesandt, der aber leider schon am 20. September infolge einer nötig gewordenen Verwendung am Gymnasium in Büdingen dahin abreisen musste. Als Ersatz wurde der Lehramts-Accessist Dr. Köhm, bis dahin am Seminar des Gymnasiums in Giessen, hierher berufen. Das Winterhalbjahr begann am 12. September.

Vom 1. Oktober bis 14. November war Dr. Kieser zur Teilnahme an dem vom Kaiserlichen archäo- logischen Institute in Rom veranstalteten archäologischen Kursus beurlaubt. Die Studienreise begann in Florenz und endete in Pompeji. 4

Mit Wirkung vom 1. Oktober an wurde auf sein Nachsuchen der Pedell Kröhl unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. Wie schon im März 1897 gelegentlich der Überreichung des von Sr. Königl. Hoheit dem Grossherzog ihm zu seinem 50jährigen Dienstjubiläum verliehenen silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen, so versammelte sich auch diesmal das Lehrerkollegium, um durch den Mund des Direktors und des Prof. Schlenger an den nach so langer, treuer und gewissenhafter Dienstführung aus seinem Amte ausscheidenden Pedellen warme Worte der Anerkennung zu richten und ihm namens des Kollegiums eine von Herrn Götz entworfene und gemalte Gedenktafel als Zeichen dankbar freund- licher Gesinnung zu überreichen. Da der zum Nachfolger ernannte seitherige Vicefeldwebel Schäfer erst am 5. Oktober seinen Dienst antreten konnte, so versah Pedell Kröhl in dankenswerter Weise bis dahin den Dienst. Der neu ernannte Pedell Schäfer wurde mit dem Dienst im alten Gymnasium beauftragt.

Am 11., 12. und 13. Oktober unterzog Herr Oberschulrat Dr. Dettweiler das Gymnasium einer eingehenden Besichtigung. Am 31. Oktober trat Gymnasiallehrer Dr. Schneider wieder seinen Dienst an, während sein Stellvertreter Dr. Köhm zur sofortigen Aushülfe an das Gymnasium in Worms berufen wurde.

Am 10. November besichtigten die Herren Ministerialrat Soldan, Oberschulrat Dr. Dettweiler, Baurat Kuhn und Kreisarzt Dr. Balser mit dem Direktor die Räume des alten Gymnasiums; es wurde allseitig anerkannt, dass zumal in drei Schulzimmern die gesundheitlichen Schäden thunlichst bald zu beseitigen seien; die Notwendigkeit einer baldigen, gründlichen Abhülfe durch Um- oder Neubau wurde allseitig zugestanden. Durch Allerh. Dekrete vom 29. Oktober wurden den Gympasiallehrern Dr. Kieser, Dr. Hammesfahr und Dr. Schaum der Charakter als Professor verliehen.

Am 21. November trat der Lehramtsaccessist Görtz als Volontär an unserer Anstalt ein und bot dadurch die Möglichkeit, den immer noch an den Folgen seiner Krankheit leidenden Dr. Schneider etwas zu entlasten.

Wegen der auf den 25. November, das Geburtsfest Ihrer Königlichen Hoheiten des Grossherzogs und der Grossherzogin, verlegten Feier der Enthüllung des in Darmstadt errichteten Denkmals Grossherzog Ludwigs IV. hielten wir wie auch die anderen hiesigen Lehranstalten am vorausgehenden Tage unsere Schulfeier ab, wobei Prof. Dr. Ham mesfahr die Festrede hielt.

Im weiteren Verfolg der Verhandlung vom 10. November erschien am 7. Dezember Herr Ministerialrat Soldan, um mit dem Direktor über diejenigen Bauveränderungen zu sprechen, durch welche die für die Gesundheit schädlichsten Missstände sofort beseitigt werden sollten, um dann in gründlicher Weise die Frage des Umbaues des alten Gymnasiums oder eines Neubaues demnächst erörtern zu können, ohne dass inzwischen die Schüler gesundheitlich zu leiden hätten. Den hiernach erhaltenen Auftrag führte das Grossherzosliche Hochbauamt während der Osterferien so aus, dass man allseitig damit zufrieden sein konnte.

Der Pedell Schäfer wurde mit Wirkung vom 1. Januar definitiv angestellt.