Aufsatz 
Zur Inversion der römischen Eigennamen : I. Cicero bis Livius
Entstehung
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das mitübergroßer Schärfe¹) vorgetragene Urteil Mommſens über dieſen Punkt?), es ſei eine Willkür der Rede, das Cognomen vor den Geſchlechtsnamen zu ſtellen. In ſorgfältiger republikaniſcher Proſa komme dergleichen Transpoſition nicht vor. Cicero habe ſie einigemal in den Briefen. Bei einer größeren Sammlung hätte ſich Mommſen ſchwerlich zu dieſem Ausſpruch hinreißen laſſen. War es doch nur ein kleiner Schritt, aus einer anderen von ihm mit ſcharfem Blicke beobachteten Erſcheinung die Folgerungen auch für dieſe ſcheinbare Anomalie zu ziehen. Lahmeyer hat ſie gezogen. Über ſeine Erklärung, den Nachweis des inneren Grundes dieſer Erſcheinung, wird ſpäter am Ende des Abſchnittes über die Inverſion bei Cicero zu handeln ſein.

Das Reſultat der ſtatiſtiſchen Zuſammenſtellung Lahmeyers (S. 490) iſt: 1) daß Cicero bei Weglaſſung des Pränomens nicht nur in den Briefen, ſondern auch in den Reden faſt durchgängig das Cognomen dem Nomen verſetze, ſo auch Nepos; 2) daß Cäſar die entgegengeſetzte Weiſe anwende, d. h. das Pränomen weglaſſe, ohne indes die Ordnung der Nomina und Cognomina zu ändern aller⸗ dings mit Ausnahme einer charakteriſtiſchen Stelle und daß dieſe Weiſe bei den folgenden Schriftſtellern erſt allmählich mehr und mehr zur Geltung komme; 3) daß ſie aber endlich in den Werken des jüngeren Plinius, in den livianiſchen Periochis und in den Inſchriften ſpäterer Zeit ihrerſeits zur Herrſchaft gelange. Nur hat Lahmeyer m. E. die auch ſchon bei Cicero neben der Inverſion vorhandene Form Gent.+ Cogn. zu gering gewertet, indem er ſie für Peregrinen, Libertinen und römiſche Bürger niederen Standes gerade für gut genug hielt. Er hat darum(S. 481) Cicero und Nepos als Vertreter und Gewährsmänner eines älteren Sprachgebrauches angeſehen in der Weiſe, daß ſieregel⸗ mäßig undabweichend von der ſonſtigen Ordnung das Cognomen dem nomen gentilicium hätten vorantreten laſſen, wenn ſie bei einem römiſchen Bürger die kürzere Benennung(ohne Pränomen) anwenden wollten. Lahmeyer geht da in ſeinen Folgerungen zu weit. Cäſar, der nach Lahmeyers eigenen Beobachtungen im bell. Gall. nie einen Mann(auch die Provinzialen nicht) ohne Pränomen, alſo nie mit Gent.+ Cogn. nennt, ſoll plötzlich im bell. civ.mit nachhaltigem Erfolge jenen älteren Sprachgebrauch angegriffen und damit den Anfang zu ſeiner ſchließlichen Beſeitigung gemacht haben. Nach Lahmeyers Faſſung wären alſo bei Cicero,wenn er jene kürzere Benennung

¹) Lahmeyer S. 475. ²) Römiſche Forſchungen I, 41.