Aufsatz 
Die Horazischen Oden in der Schule / von Friedrich Curschmann
Entstehung
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myth. Partieen in einzelnen Gedichten überwiegen, so bedenke man immer, daß in ihnen durch Exemplifikation und durch allegorische Ausdeutung der Mythen einige Hauptgedanken oder der IIauptgedanke veranschaulicht wird, man bedenke, daß wir ja in unseren modernen Balladen und Romanzen etwas ähnliches haben, man bedenke, daß z. B. A. v. Chamisso eine große Gruppe seiner Gedichte selbst«episch-lyrischey betitelt hat. Daß wir zur allegorischen Erklärung der Mythen nicht bloß berechtigt sondern verpflichtet sind, das zeigen des Iloraz eigene Worte epistula I, 2, 3 ff.: dui(IIomerus) quid sit pulchrum, quid turpe, quid utile, quid non, planius ac melius Chrysippo et Crantore dicit.

und die folgenden Verse 20 ff., in denen der Sirenen und der Circe Lockungen als die sinn- lichen Versuchungen angesehen werden, wie sie im Leben an jeden Menschen herantreten, Gier und Leidenschaft zu befriedigen. Man vergleiche Ode III, 16 und die dort von Iloraz selbst gegebene allegorische Deutung des Danaemythus etc. Darum möchte ich mir auch von Herrn Plüß für meine Horazinterpretation nicht die einleitende Bemerkung rauben lassen, Horaz lehrt uns, Horaz mahnt uns». Daß Horaz ebensowenig wie Homer, den der Venusiner sin Präneste wieder liest und der ihn besser und klarer Moral lehrt als Crantor und Chrysipp', daß, sage ich, Horaz ebensowenig als Homer ein Handbuch der Moralphilosophie ist, das wissen wir alle, aber ebenso gut wissen wir, daß wir, wie er selbst sagt, quid utile, quid non, quid turpe, Quid pulchrum sit aus seinen Gedichten lernen können und sollen. Wem fielen nicht die Worte der ars poetica ein:«aut prodesse volunt aut delectare poetae, ein Vers, in dem gewiß nicht ohne Grund das prodesse an der ersten Stelle erscheint. Dieses prodesse et sibi et aliis ist der Zweck des weitaus größten Teils der Iorazischen Pocesie, sagt er doch selbst in der 4. Satire des ersten Buchs V. 130 bis zu Ende, daß seine Satiren dem Bedürfnisse nach fortwührender moralischer Selbstzucht ihre Entstehung verdanken. Darum möge uns also Herr Plüß den Ausdruck vergönnen Horaz lehrt uns, Hora mahnt uns». Vorher sagte ich, daß die von Weißenfels zurückgewiesenen politischen Oden des Horaz der römischen, beziehungsweise Hora- zischen Lyrik so recht eigentümlich seien.

Damit steht in engem Zusammenhang eine Frage, die Weißenfels S. 222— 237 ausführlich crörtert, nämlich die, worauf pei der Interpretation der Hauptnachdruck zu legen seci, ob auf die philosophisch-üsthetische oder historisch-reale Erklärung. Weißenfels tritt entschieden für die Bevorzugung der philosophisch-ästhetischen ein, wührend er die historisch-rceale mit ziem- licher Geringschätzung behandelt. Alles schon dagewesen» sagt Ben Akiba. Es hat schon Zeiten gegeben, wo man, da man von den Realien noch wenig verstand oder ihnen einen viel zu geringen Wert beilegte, die philosophisch-ästhetische oder die rein grammatische Erklärung dominieren liecß, bis sie eben leider allzuhäufig in allgemeines leeres Raisonnement(inanis ver- borum sonitus) und geistestötendes Jagen nach grammatischen Spitzfindigkeiten auszuarten pflegte. Da kam die gesunde Reaktion, die historisch-reale Erklärung trat in den Vordergrund, und wenn auch hierin bedauernswerte Exzesse durch allzu ausgedchnte Realexkurse verübt worden sind und noch verübt werden, so bildet sie doch im Bunde mit der grammatikalischen die einzige gesunde und solide Basis für die Schulinterpretation, damit diese sich nicht mehr in die Untiefen und nebel- haften Fernen philosophischer Betrachtung oder gar in die schön Klingenden, in Wahrheit ziemlich inhaltslosen Phrasen des ästhetischen Subjehtivismus verlieren kann. Mit Entschiedenheit muß ich nicht bloß für die Erklärung des Horaz, sondern auch für die Erklärung fast aller antiken Autoren auf der verständigen Hervorhebung der real-historischen Methode bestehen. Selbstverständlich verkenne ich keineswegs, daß der Schüler auch durch die Lektüre sein ästhetisches Urteil unter An-

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Die ästhetisch- philosophische und die historisch-reale Interpretation?