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wie ich es hier und schon früher ausgeführt, kein Dichter schreibt, dessen sich das Gefühl trost- loser Resignation pemächtigt und der im Weine Vergessenheit und Betäubung sucht. Ja wie jeder verständige und anständige Mensch, eine Zeitlang des Lebens Mühsal vergessen will er, auf andere, heitere Gedanken in fröhlicher Gesellschaft kommen will er, den engen, drückenden Rock des Alltagsphilisters zuweilen abwerfen will er(dulce est desipere in loco), aber wo sagt er, der Sänger der aurea mediocritas, der jedes Extrem, auch in der Freude und in dem Genusse, verabscheut und strenges Maßhalten in allen Lagen des Lebens fordert, wo sagt er, daß er sich im Weine be— rauschen will, um nichts mehr von sich zu wissen? Wenn er in den Weinoden der Flüchtig- keit der Zeit gedenkt, so thut er das mit vollem Rechte, und man darf ihm daraus keinen Vorwurf machen, wie Rosenberg es thut, denn des Lebens Mai plüht einmal und nicht wieder». Oder entdeckt Rosenberg auch in den Worten des Mirza-Schaffy trübe Resignation:
«Und weil so kurz das Leben ist, Des Glücks, das uns gegeben ist. Muß stets der Weisen Ziel sein: Kann nimmermehr zuviel sein!?
Was sagt er zu den Versen desselben Dichters:
«Verbittre dir das junge Leben nicht, Verschließ’ dein Herz der Liebe Offenbarung Verschmähe, was dir Gott gegeben, nicht! Und deinen Mund dem Trank der Reben nicht!?
oder zu Geibels Versem: «O füllt die Pokale mit cyprischem Wein! Drum hastig die plinkenden Becher geleert!
Laßt blinken im Becher den purpurnen Schein! Ergreift, was die rollende Stunde beschert! Schlürft hastigen Zuges den raschen Genußl Geniebßt die Minute, so lange sie glüht! So Lurz ist die Jugend, so flüchtig der Kuß. Der Frühling verwelkt und die Liebe verblüht. oder zu der Aufforderung desselben Dichters: «Gebt mir vom Becher nur den Schaum, Gebt nur einen flüchtigen Liebestraum Den leichten Schaum der Reben! Mir für dies flächtige Lebenb
Um es kurz zu machen, was will der Horazische Hinweis auf die Flüchtigkeit des Lebens
anders sagen, als das, was die unvergeßlichen Verse unseres Volksliedes ausdrücken: «Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht, Pflücket die Rose, eh' sie verblüht!?
Ebensowenig aber, wie ich in der Schule die sympotischen und erotischen Oden des Horaz entbehren möchte, ebensowenig möchte ich auf die Lektüre der sogenannten politischen Oden hie politigee verzichten wie I, 2(iam satis terris), I, 12(quem virum aut heroa) und III, 1—7(Römeroden),„arryeen. Gedichte, die Weißenfels(S. 36 ff.) zum Teil oder ganz von dem Kanon der Schullektüre gestrichen Lesen. zu sehen wünscht. Z. B. von der dritten Ode des dritten Buches will er nur die beiden ersten Strophen gelesen haben. Zunächst muß ich mich an dieser Stelle mit Entschiedenheit gegen dieses«Lesen im Ausschnitt» erklären, das Weißenfels auch noch bei anderen Gelegenheiten in Vorschlag bringt, da man ja das weniger Schöne und Interessante weglassen könne. Die Konsequenz dieser Methode ist, wie schon erwühnt, die, daß man die signifikanten Stellen des Horaz aus allen einzelnen Oden auszieht und in einer bestimmten Ordnung und Reihenfolge zusammenstellt. So würde viel Zeit und Mühe gespart, und doch sder Geist des Horaz» auf einige Seiten zusammengedrängt von den Schülern genossen werden können. Natürlich würde man in ähnlicher Weise auch die andern lateinischen und griechischen Autoren zusammen- schneiden und auspressen, und den so aus allen Autoren gewonnenen Extrakt(welches Glück für unsere Jugend, die viel kostbare Zeit gewänne, welches Glück für den Geldbeutel der Eltern, der auch sonst noch stark in Anspruch genommen wird) könnte man in einem mäßigen Bande von mäßigem Preise vereinigen. Dazu mache ich den Vorschlag, um das unerfreuliche
Lexikon und die Grammatik überflüssig zu machen, diesen griechischen und lateinischen Extrakt 3


