In dem Lehrercollegium trat die Aenderung ein, daß der Profeſſor Lade vom 1. April ab mit Penſion in den Ruheſtand trat. Das Collegium verlor in ihm einen ſehr gewiſſen⸗ haften und treuen Mitarbeiter. Zur Abhaltung ihres Probejahres traten die Candidaten Adalbert Luke aus Paderborn und Karl Friedrich Schäfer aus Frankfurt a. M. bei dem Gymnaſium ein; der erſtere ging bei der Mobilmachung freiwillig zu der Armee ab. Während des Winterſemeſters mußte Dr. Deutſchmann wegen Unwohlſeins längere Zeit vertreten werden.
Am 27. April wurde das Schuljahr feierlich eröffnet.
Die Pfingſtferien dauerten vom 2. bis zum 9. Juni.
Am 2. Juli kam der Geheime Regierungs⸗ und vortragende Nath im Miniſterium der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medicinal⸗Angelegenheiten, Herr Dr. Stieve, nach Hadamar, um von dem Zuſt inde des Gymnaſiums Kenntniß zu nehmen. Den folgenden Tag wohnte derſelbe in allen Claſſen dem Unterrichte bei und verſammelte darauf die Lehrer zu einer Conferenz, worin er ſich eingehend über verſchiedene Gegenſtände des Gymnaſial⸗Unterrichts ausſprach.
Am 9. Juli machten die Lehrer und Schüler des Gymnaſiums in verſchiedenen Abthei⸗ lungen und Richtungen nähere oder weitere Ausflüge in die Umgegend. Die Lehrer und Schüler der drei oberſten Claſſen begaben ſich zunächſt nach Ems, in der Hoffnung, Seine Majeſtät den König Wilhelm daſelbſt zu ſehen. Als ſie dort in den Kuranlagen ſtanden, hatten ſie das Glück, von Seiner Majeſtät bemerkt und angeredet zu werden. Seine Majeſtät wandte ſich an mehrere Schüler in der freundlichſten Weiſe, ließ ſich von dem Director die Lehrer vorſtellen und richtete auch an dieſe huldvolle und herzliche Worte. In der gehobenſten Stimmung wurde die Fahrt bis Lahnſtein und von da nach Ehrenbreitſtein zum Beſuch der Feſtung fortgeſetzt. Nachdem man ſich alsdann zu Niederlahnſtein ausgeruhet und erfriſcht hatte, ging es gegen Abend nach Hadamar zurück. Das war ein Tag der ſchönſten Erinnerung für Lehrer und Schüler.
Am 30. und 31. Auguſt wurden die nicht öffentlichen Herbſtprüfungen abgehalten, wo⸗ rauf die Ferien begannen, welche bis zum 5. October dauerten.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 22. December bis zum 4. Januar.
Am 4. März betheiligte ſich das Gymnaſium an der von dem Gemeinderath der Stadt veranſtalteten Feier des Friedensfeſtes durch Illumination und Fackelzug. An der Haupt⸗ fronte des Gymnaſialgebäudes war auch ein großes Transparent angebracht mit der Inſchrift: Vivat Wilhelmus Victor Restitutor Germaniae Imperator Pater Patriac..
Am 22. März wurde der Gchurtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers und Königs durch feierlichen Gottesdienſt, und in der Aula des Gymnaſiums nach folgendem Programm begangen:
1. Ouvertüre zu„die Stumme von Portici,“ für Pianoforte, vorgetragen von dem Oberſecundaner Karl Weſener und dem Unterſecundaner Alexander Alberti.— 2.„Danket dem Herrn“, Motette von J. H. Rolle.— 3.„Dem Helden und Friedensfürſten“, deutſche Ode, verfaßt und vorgetragen von dem Oberprimaner Hermann Ferber.— 4.„Imperatori redeunti“! lateiniſche Ode, verfaßt und vorgetragen von dem Oberprimaner Peter Egenolf.— 5.„Der Friede“, deutſches Gedicht, verfaßt und vorgetragen von dem Oberprimaner Jakob Dewin.— 6.„Germania.“„Stehe feſt, o Vaterland“, von W. Speyer.— 7. Der Schiffskapitän, vorgetragen von dem Unter⸗ ſecundaner Joſeph Jung.— 8)„Die Grenze“, von Fr. L., Graf zu Stolberg, vorgetragen von dem Unterprimaner Jakob Haßlacher.— 9. Kaiſer Rotbbart’'s Verklärung, von H. Viehoff, vorgettagen von dem Oberſecundaner A. Führer.— 10.„Die Wacht am Rhein“, von Schneckenburger, componirt von K. Wirhelm.— 11. Feſtrede, geſprochen von dem Director.— 12. Nationalhymne.
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